Donnerstag, 24. April 2014

Neuerlicher Durchbruch im Tauplitzalm-Projekt. Bullenhöhle reicht bis in große Tiefe.

Bei einer Tour am 21.03.2014 wurde die Fortsetzung am Grund des Faschingsschachtes in einer Tiefe von 79 m durch Robert und Sebastian Seebacher weiter erforscht. Ein teilweise sehr enger, trockener Canyon führt weiter in Richtung Süden, bis bei -90 m ein bedeutendes Gerinne in die Höhle eintritt. Dieser Bach begleitet die Forscher von diesem Punkt an weiter in die Tiefe. Nach der Überwindung eines nassen 7 m-Schachtes wurde die Erforschung am Beginn eines weiteren kleinen Abstieges abgebrochen. Es gelang bei dieser Tour 43 m Neuland zu vermessen und eine Gesamttiefe von 96 m zu erreichen.
Der 30 m tiefe Faschingsschacht. Foto: R. Seebacher
Erster kleiner Höhlenbach bei -90 m Tiefe. Foto: R. Seebacher
Eine weitere Erforschung fand am 31.03.2014 durch Heidrun André und Robert Seebacher statt. Nach der Überwindung einer weiteren 7 m tiefen Schachtstufe führt die Höhle als schmaler Canyon in den Berg. Hier war es möglich bis in eine Tiefe von 109 m abzusteigen. Die Höhle verengt sich an dieser Stelle jedoch auf nur noch 10-15 cm Breite. Über einen Aufstieg konnte ein lehmiger Firstgang entdeckt werden, welcher aber an einem Versturz endete. Nach kurzer Räumarbeit gelang es, in eine kleine Kammer abzusteigen. Leider stoppte dort ein weiterer Verbruch den Vorstoß. Bei dieser Tour wurden weitere 55 m vermessen, wodurch die vermessene Gesamtlänge der Bullenhöhle auf 315 m anwuchs.
Räumarbeiten im Firstgang bei - 100 m. Foto: H. André
Am 16.04.2014 unternahmen Peter Jeutter und Robert Seebacher schließlich die bisher letzte Tour in diese spannende Höhle. Ziel war es, zu versuchen den deutlich bewetterten Endversturz zu überwinden. Dazu musste in Rund 100 m Tiefe ein großer Block mittels Treibkeilen zerkleinert und mühsam entfernt werden. Dahinter folgte ein lehmiger Schluf, an dessen Ende nochmals Versturzmaterial ausgeräumt werden musste. 
Freigelege Engstelle. Foto: R. Seebacher
Dahinter öffnet sich die Höhle und führt geräumig weiter in die Tiefe. Nach mehreren kletterbaren Absätzen folgte ein 36 m tiefer, schräger Seilabstieg. Unterhalb des Abstieges ändert sich das Raumbild von hohen schmalen Profilen zu runden Gangquerschnitten. Der Bach ist in einem schmalen Bodencanyon eingeschnitten. Die Höhle führt ab hier als rund 3 m breiter und 2 m hoher lehmbedeckter Gang weiter steil nach unten. An einem Abbruch musste der Vorstoß wegen Seilmangels abgebrochen werden. Dieser Punkt befindet sich bereits 168 m unter dem Eingang. Insgesamt konnten bei dieser Tour 153 m Neuland vermessen werden, wodurch sich die Gesamtlänge der Bullenhöhle auf 468 m erhöhte.
Neu entdeckter Gangabschnitt bei etwa -160 m. Foto: R. Seebacher
Durch diese neuerlichen Forschungen ist die Bullenhöhle nun nicht nur die tiefste, sondern auch die längste Höhle in der Katastergruppe 1622. Die neuesten Entdeckungen und die große erreichte Tiefe nähren die Hoffnung, tatsächlich bald in den Hauptsammler (Kollektor) des Tauplitzalm-Aquifers vordringen zu können. Beim Bach in der Bullenhöhle handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit tatsächlich bereits um einen Oberlauf dieses großen unterirdischen Entwässerungssystems.

Montag, 17. März 2014

Tiefenvorstoß im Ozonloch (Erforschung des Silberschachtes)

Von 05.03. bis 08.03.2014 unternahmen Peter Jeutter und Robert Seebacher eine Forschungstour in die tiefen Teile des Ozonlochs (DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem) auf der Taupllitz-Hochalm.
Der zweistündige Aufstieg von der Tauplitzalm bis zum Eingang erfolgte bei Schneesturm und winterlichen Bedingungen. Anschließend stiegen die beiden bis zum Biwak in 460 m Tiefe ab. Bepackt mit je 2 schweren Schleifsäcken gestaltete sich der Abstieg dem entsprechend anstrengend.
Der Traglgang, ca. 580 m unter dem Eingang. Foto: R. Seebacher
Am nächsten Tag wurde dann bis in eine Tiefe von 661 m abgestiegen. Hier musste die stark hochwassergefährdete Schacht- und Canyonfolge der Traglkaskaden bis zum alten Forschungsendpunkt mit Seilen und neuen Umsteigstellen versehen werden.
Für einen Vorstoß in den dort ansetzenden Silberschacht blieb jedoch an diesem Tag kein Seil übrig. So wurde der Vorstoß in den großen, äußerst hochwassergefährdeten Schacht auf den dritten Tag der Expedition verschoben.
Erster Schachtabstieg der Traglkaskaden (-595 m). Foto: R. Seebacher

Ausgerüstet mit insgesamt rund 180 m Seil, 25 Verankerungen und einem Akkubohrhammer wurde die Erforschung des Silberschachtes in Angriff genommen. Der Abstieg hat einen Durchmesser von 10-15 m und wird zu einem großen Teil vom Sprühregen des darin hinabstürzenden Wasserfalles eingenommen. Gottlob lag die Schüttung des Gerinnes aufgrund der winterlichen Bedingungen bei nur etwa 1-2 l/s. Da der Wetterbericht Schönwetter für diesen Tag prognostizierte war aber äußerste Vorsicht angesagt. Mit einem Anstieg der Wasserführung ab Nachmittag war zu rechnen.
Einstieg in den Silberschacht bei -661 m. Foto: R. Seebacher
So mussten viele Querungen und Umsteigstellen eingerichtet werden um den Schacht halbwegs hochwassersicher einbauen zu können. Mit dem absolut letzten Meter Seil konnte schließlich der Boden des 119 m tiefen Silberschachtes erreich werden. Dort führt ein geräumiger Canyon weiter in die Tiefe. Hier konnten die zwei noch rund 10 m bis in eine Gesamttiefe von 789 m abklettern. Dort verschwindet der Bach über mehrere Kaskaden in noch unbekannte Tiefen. Die Höhle setzt sich großräumig weiter fort.
P. Jeutter und R. Seebacher am Grund des Silberschachtes. Foto: R. Seebacher
Beim Rückweg stieg die Schüttung des Baches tatsächlich auf etwa das Dreifache an und der gute Schachteinbau machte sich bezahlt. Der Aufstieg zum Biwak gestaltete sich daher ohne größere Schwierigkeiten. Alle Seile in den tieferen Teilen mussten wegen der oft enormen Schüttung wieder ausgebaut werden.
Am vierten Tag erfolgte schließlich der Ausstieg vom Biwak zur Oberfläche (5 h) und die Abfahrt zur Tauplitzalm, wo der Tag im Naturfreundehaus einen gemütlichen Ausklang nahm.
Abfahrt bei herrlichem Winterwetter. Foto: R. Seebacher
Insgesamt konnten 157 m neue Höhlenteile erforscht und vermessen werden, wodurch sich die Gesamtlänge des DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystems auf 23.563 m erhöhte.
Mit einer erreichten Tiefe von 789 m unter dem Einstieg war dies der bisher vierttiefste Abstieg im DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem. Alle anderen tieferen Abstiege fanden ausschließlich im Tiefensystem des DÖF-Schachtes statt und wurden ebenfalls von Peter Jeutter und Robert Seebacher durchgeführt.
Für die logistische Unterstützung bei dieser Tour sei Johann Stieg und Herbert Bliem besonders gedankt!

Dienstag, 11. März 2014

Neue Höhle - neuer Schwung für das Tauplitzalm Projekt

Im Jänner 2014 gelang es, bei einer weiteren Oberflächenbegehung am Plateau der Tauplitzalm eine neue Höhle zu entdecken.
Der schachtartige Eingang befindet sich in einem stark bewaldeten Areal, versteckt zwischen großen Bäumen. Die Tatsache, dass der Bereich 50 m westlich, bzw. östlich des Einganges bereits intensiv abgesucht wurde, zeugt davon, dass hier immer noch überraschende Neuentdeckungen möglich sind. 
Eingang in rund 1600 m Seehöhe. Foto: R. Seebacher
Nach dem Abschluss der Forschungen in der Hemmernbodenhöhle, bietet dieses Objekt nun einen neuen, hoffnungsvollen Ansatz auf der Suche nach einem Zugang zum vermuteten Tauplitz-Tiefenbach-Aquifer.
Mit bisher 6 Touren wurde die Erforschung dieses interessanten Objektes vorangetrieben. In einer Halle, am Grund eines 8 m tiefen Schachtes konnte in insgesamt 25 m Tiefe das Skelett eines Rindes gefunden werden. Daher erhielt das neue Objekt den Namen „Bullenhöhle“.
Räumarbeiten am 1. Versturz. Foto: H. André
Ein rund 50 m langer, trockener Gang endet leider tagnah an einem Versturz. Das Ausräumen einer total verlegten Spalte am Hallenboden ermöglichte jedoch den Zugang zu einem Canyon und einem neuerlichen Versturz. Die starke Wetterführung motivierte Heidrun André, Patrick Hautzinger und Robert Seebacher für eine weitere, ausgedehnte Aktion. Nachdem eine enge Kluft freigelegt, sowie ein darin verkeilter Block zerkleinert wurde gelangten die drei in einen weiterführenden Mäander. Auch hier musste eine Engstelle auf befahrbare Maße mühsam erweitert werden. Die enge Passage mündet in einen 26 m tiefen, geräumigen Schacht (Murmeltierschacht). Leider ist dieser am Schachtboden hoffnungslos verstürzt.
Traverse des Murmeltierschachtes. Foto: R. Seebacher
Bei der bisher letzten Tour traversierten Robert und Sebastian Seebacher den Murmeltierschacht und erreichten so einen weiterführenden, teilweise sehr engen Mäander. Dieser bricht schließlich in den 29 m tiefen, großräumigen Faschingsschacht ab. Auf dessen Grund setzt sich die Höhle wieder als Mäander weiter in die Tiefe fort.
Zugang zum Faschingsschacht. Foto: S. Seebacher
Insgesamt konnten bisher 217 m an Höhlenpassagen vermessen werden. Die Niveaudifferenz liegt bereits bei -79 m. Der starke Luftzug lässt hoffen, dass die Forschungen in dieser Höhle so bald nicht abgeschlossen werden können.

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Vorläufiger Abschluss der Forschungen in der Hemmernbodenhöhle

Der Einstiegsschacht. Foto: R. Seebacher
Am 15. Dezember 2013 wurden die Tätigkeiten im Zuge des Forschungsprojektes Taupliltzalm fortgesetzt. Heidrun André und Robert Seebacher führten abschließende Vermessungen in der stark bewetterten Hemmernbodenhöhle 1622/23 durch. Dabei war es möglich 81 m an Reststrecken und Seitenteilen aufzunehmen. Abgesehen von einer möglichen Fortsetzung (Grabung) gilt die Erforschung der Hemmernbodenhöhle nun leider als abgeschlossen.

Teilweise sind im Winter schöne Eisbildungen anzutreffen. Foto: R. Seebacher
Die vermessene Gesamtlänge der Höhle beträgt 205 m bei einer Niveaudifferenz von 32 m.

Montag, 16. Dezember 2013

Neuer Längenzuwachs der Ghar-e-Bournic/Iran

Vom 16. bis 18. Oktober 2013 wurden vom Verein für Höhlenkunde in Obersteier (VHO) in Zusammenarbeit mit Mitgliedern der Iranian Cavers & Speleologists Association (ICSA) die Vermessungen der Ghar-e-Bournic weitergeführt.


Teilnehmer: Vahid Ashrafi (ICSA - Mashhad), Sarah Edalatian Arasteh (ICSA - Mashhad), Ernest Geyer (VHO - Admont), Aslan Mostafvi (Teheran), Hamid Nezamdost (ICSA - Mashhad), Taraneh Khaleghi (VHO - Admont), Jalal Zaree (Alborz Caving Club - Karaj) und Samira Zareei (Isfahan).
Das Biwak wurde wie in den vergangenen Jahren auch diesmal wieder vorm Höhleneingang eingerichtet. Am ersten Tag wurde nach der Anreise noch mit der Vermessung in den tiefen Teilen der Höhle begonnen. Es konnte die sog. Isfahan Passage vermessen werden - ein steil nach oben führender, 60 m langer Gangteil. Der Boden ist mit feinem Sand bedeckt. Ein Gangansatz hinter großen Versturzblöcken bildet eine mögliche Fortsetzung in diesem Bereich. Weiteres wurde begonnen die Höhlengänge östlich der Isfahan Passage zu vermessen.


Am zweiten Tag wurde in zwei Messteams gearbeitet und die Vermessungen östlich der Isfahan Passage fortgesetzt - es handelt sich hier um zwei größere Räume, wobei der letztere dann über Versturzblöcke in einen niederen, unübersichtlichen Höhlenteil übergeht. In diesem Raum befinden sich auf einer ca. 2 m großen Wandfläche Ausblühungen von Gips-Kristallen (Gypsum-flowers). Der anschließende, niedere Höhlenteil bildet über mehrere Gänge die Verbindung zur Sternenhalle. In diesem Bereich setzen mehrere Seitengänge an, wie die sog. Mashhad Passage, die jedoch auch nach 50 m verstürzt endet und jetzt mit 192 m unter dem Eingangsniveau den aktuell tiefsten Punkt der Höhle bildet.
Am 24. Oktober 2013 wurde eine weitere Vermessungstour in die Ghar-e-Bournic durchgeführt.
Teilnehmer: Mojtaba Alizadeh (Alborz Caving Club - Karaj), Ernest Geyer (VHO - Admont), Hossein Shayegan (Alborz Caving Club - Karaj), Jalal Zaree (Alborz Caving Club - Karaj).


Das Ziel war es offene Fortsetzungen im Mittelteil der Höhle aufzuarbeiten - diese Gangteile sind in der Verturzzone unterhalb der Stalagmitenhalle angelegt und durch enge Schlufstrecken unterbrochen. Es finden sich in diesem Bereich partiell sehr schöne Versinterungen. Weiters wurde eine Reststrecke in der Großen Halle vermessen, wobei Tonscherbenfunde gemacht werden konnten.
Insgesamt wurden 583 m vermessen wobei sich die dokumentierte Ganglänge der Ghar-e-Bournic um 548 m auf 4021 m erhöht. Die Vertikalerstreckung erhöhte sich um 2 m und beträgt nun 239 m (-192 m, +47 m). Die vermessenen Gangteile weisen ebenfalls die für die Höhle markante Schichtfolge auf und der Fels ist auch hier sehr mürbe und brüchig. Weitere Fortsetzungen sind in der Höhle sowohl in den tiefen als auch in den oberen Teilen der Höhle noch vorhanden.


Weiters gab es ein interessantes Treffen bzgl. Informationsaustausch mit Changiz Sheikhli in Karaj - er war Gründungsmitglied der Iran SpeleologyAssociation (ISA) im Jahre 1946. Changiz Sheikhli arbeitet aktuell an einer mehrbändigen Enzyklopädie über die Höhlen des Iran.

Ein Dank geht alle Teilnehmer des Vermessungsprojektes Ghar-e-Bournic 2013, an Javad Nezamdost (Präsident der ICSA) für die Unterstützung sowie an Babak Malek und Keivan Hassani für den Transport von Teheran nach Harandeh.

Text und Bilder: Ernest Geyer

Freitag, 1. November 2013

Erforschung des Tarnkappenschachtes

Am 28.10.2013 nutzen Heidrun André und Robert Seebacher das herrliche Herbstwetter um einen vor 10 Jahren am Kl. Brieglersberg (2078 m) entdeckten Schacht zu erforschen.
Der Unscheinbare Schachteinstieg. Blick zum Bartlrucken. Foto: H. André.
Der Eingang des Tarnkappenschachtes (1625/531) liegt westlich der Brieglersberg-Bärenhöhle auf einer Seehöhe von 2011 m und ist sehr schwer auffindbar. Eine nur 1 x 2 m große Öffnung mündet  direkt in einen senkrechten Schacht. Hier konnte Robert Seebacher im Jahre 2003 etwa 50 m tief bis ans Seilende absteigen. Der Schachtboden konnte damals nicht erreicht werden.
Eingang. Foto: H. André.
Diesmal hatten wir über 100 m Seil, Bohrmaschine und Vermessungsausrüstung dabei. Einer Erforschung der Höhle stand also nichts mehr im Wege.
Der Aufstieg von den Stryrerseehütten bis zum Eingang nahm etwa 2 Stunden in Anspruch. Dank der 2003 aufgenommenen Koordinaten war der Einstieg aber gleich gefunden.
Mittelteil des schönen Direktschachtes. Foto: H. André.
Die Erforschung gestaltete sich einfach und rasch war der Schacht eingebaut und vermessen. Es handelt sich um einen sehr schönen, 70 m tiefen Direktschacht mit angenehmen Dimensionen. Leider konnte keine weitere Fortsetzung gefunden werden. Am Schachtgrund war es möglich den Schädel eines großen Hirsches zu entdecken.
Am Schachtgrund konnte der Schädel eines Hirsches gefunden werden. Foto: H. André
Die Erforschung des Tarnkappenschachtes konnte abgeschlossen werden. Die Vermessene Gesamtlänge beträgt 87 m bei einer Niveaudifferenz von 71 m.

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Neuer kleiner Horizontalteil im Sonnenleiterschacht

Am 15. Oktober 2013 unternahm Robert Seebacher eine Forschungstour in das DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem. In einer Tiefe von rund 210 m befindet sich im Schachtsystem des Sonnenleiterschachtes ein Parallelschacht. Hier wurde schon länger der Zugang zu einem Horizontalsystem vermutet, da auf dieser Seehöhe (1700 m) z.B. im Burgunderschacht ausgedehnte Gangpassagen ausgebildet sind. Im DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem konnte dieses Niveau bisher nur ansatzweise im DÖF-Schacht und im Ozonloch angetroffen werden.
Vor dem Einstieg wurde noch die beschädigte Wintermarkierung erneuert, so dass auch im Winter wieder der Eingang des Sonnenleiterschachtes benutzt werden kann. Der Abstieg erfolgte zuerst über 4 großräumige Schächte (18 m, 93 m , 20 m u. 10 m). Danach folgt die Engstelle „Schleuse“, ein senkrechter sehr enger Spalt. Gleich dahinter öffnet sich der nächste 45 m tiefe Abgrund. Hier wurde im unteren Bereich ausgependelt und in einen bisher unerforschten Parallelschacht abgeseilt.

Nach einem Aufstieg und einem kleinen Schacht gelang es tatsächlich einen in Richtung Osten führenden Horizontalteil zu entdecken. Leider enden die teilweise geräumigen Gänge nach etwa 60 m an Lehmverschlüssen bzw. Engstellen. Es scheint, dass in diesem Bereich des Gebietes „In den Karen“, das Niveau 1700 m großteils mit Sedimenten plombiert und nicht begehbar ist. Dennoch konnten bei dieser rund 5-stündigen Forschungstour 90 m Neuland vermessen werden. Die vermessene Gesamtlänge des DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystems wuchs dadurch auf 23.405 m an.

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Erforschung des Tragl-Ostwandschachtes

In der Ostwand des Gr. Tragl (2179 m) befindet sich eine Schachthöhle, welche durch ihren hoch gelegenen Einstieg ein Hoffnungsträger für einen weiteren Tiefenzuwachs des DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem (1625/379) darstellt.  Der große Schachteinstieg befindet sich mitten in der Felswand auf einer Seehöhe von 2096 m und wurde bereits in den 1990er-Jahren von R. Seebacher entdeckt und bis in eine Tiefe von rund 30 m befahren. Dort stoppten enorme Schneemassen den Vorstoß.
Am 08. Oktober 2013 wurde nun die Erforschung des Tragl-Ostwandschachtes 1625/458 durchgeführt. Die Teilnehmer waren, Christian Huber, Roland Janko, Johann Püreschitz und Robert Seebacher.
Diesmal waren die Verhältnisse besser und das Team gelangte durch den 32 m tiefen Einstiegsschacht in eine geräumige Schneehalle. Dort war es möglich, durch einen schmalen Spalt zwischen Schnee und Felswand weitere 20 m abzuseilen. Ein dort ansetzender, schneefreier und deutlich bewetterter Seitenteil schien eine gute Fortsetzungsmöglichkeit zu sein, entpuppte sich jedoch nach rund 30 m am Grund eines 14 m tiefen Schachtes leider als Niete. Ein Versturz, 71 m unter dem Eingang versperrt hier den erhofften Weg in die Tiefe.

Ein weiterer Weg führt in 48 m Tiefe wieder durch einen schmalen Spalt, an einer Schneebrücke vorbei weiter in die Tiefe. Wilde Firnformationen in einem geräumigen Schachtraum begrüßten die Forscher um sie bald wieder in einen Spalt zwischen Schnee und Firn zu zwingen. Nochmals erweitert sich der Raum zwischen Fels und Schnee zu einem ansehnlichen Schacht um in einer Gesamttiefe von 86 m in Versturz- und Schneemassen zu versinken. Eine kurze Grabung am Schachtgrund erbrachte keinen Durchbruch in weitere Schächte und so kann die Erforschung des Tragl-Ostwandschachtes leider als abgeschlossen gelten. Die Vermessene Gesamtlänge beträgt 166 m.

 Bilder: J. Püreschitz, R. Seebacher

Sonntag, 13. Oktober 2013

Überprüfung der Einbauten im Sonnenleiterschacht


Von 01. bis 02. Oktober 2013 unternahmen Christian Huber und Robert Seebacher eine Biwaktour in das DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem. Ziel der Unternehmung war die Überprüfung, bzw. Erneuerung der Einbauten im Sonnenleiterschacht. Am ersten Tag wurden mehrere Seile in den Zubringerschächte und in den Nordteilen des Systems ausgetauscht. Weiters mussten zahlreiche Verankerungen erneuert, bzw. ergänzend angebracht werden. In einer sehr anstrengenden 12-Stunden Tour gelang es so bis zum nördlichsten Punkt des Höhlensystems vorzudringen. Ein geplanter, kurzer Vorstoß an diesem Punkt konnte aufgrund von Zeit- und Materialmangel nicht mehr realisiert werden. Es wurde jedoch die schon lange ausstehende Fotodokumentation der Saurierknochen im Höhlenteil „Triassic-Park“ durchgeführt. Am zweiten Tag gelang es im Bereich des Schleusenschachtes III und im Gang zwischen diesem und dem Hauptsystem 105 m an Reststrecken zu vermessen. Die Gesamtlänge des DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem stieg dadurch auf 23.315 m.

Sonntag, 8. September 2013

Sehr erfolgreiche VHO-Forscherwoche im Südostmassiv des Toten Gebirges

Blick von der Plankermira zum Grimming (2351 m). Foto: R. Seebacher
Von 10. bis 18. August 2013 veranstaltete der Verein für Höhlenkunde in Obersteier (VHO) sein traditionelles Forscherlager im Bereich des Hochplateaus des Toten Gebirges. Acht Höhlenforscher schlugen ihr Lager für über eine Woche in der Nähe der Plankermira (2178 m) im Südostmassiv des Gebirges auf. Dies waren Heidrun André, Richard Frank, Ernest Geyer, Peter Jeutter, Markus Kreuß, Rebecca Lawson, Thomas Schneider und Robert Seebacher. An zwei Tagestouren war zusätzlich Franz Schmidt beteiligt.
Forschungsteam v.l.n.r.: E. Geyer, R. Seebacher, M. Kreuß, R. Lawson, P. Jeutter, T. Schneider, H. André, R. Frank. Foto: R. Seebacher

Biwakplatz mit Schutzhöhle am Hochweiß. Foto: R. Seebacher

Gemeinschaftszelt in der Schutzhöhle. Foto: M. Kreuß
Das Forschungsgebiet befindet sich im Gemeindegebiet von Tauplitz, nördlich der Ödernalm und liegt auf über 2000 m Seehöhe. Der mühsame Aufstieg über mehr als 800 Höhenmeter erfolgte großteils weglos und nahm rund drei Stunden in Anspruch. Als Stützpunkt diente die Schutzhöhle am Hochweiß (1625/74) in deren unmittelbaren Nähe auch das Lager aufgebaut wurde.

Blick zum Forschungsgebiet. Foto: R. Seebacher
Zuletzt waren in den 1970er und 1980er Jahren Höhlenforscher aus Bad Mitterndorf (VHO, damals Sektion Ausseerland d. LV f. HK Stmk.) und aus Frankreich (G.S.D., G.S.C., S.A.C.) in diesem stark verkarsteten Gebiet tätig. Rund 60 Höhlen und Schächte wurden aufgenommen, teilweise erforscht und vermessen. Es blieben jedoch zahlreiche Höhlen und Höhlenfortsetzungen unbearbeitet, wodurch hier noch immer ein enormes Forschungspotenzial besteht.
Eingang der Wildbaderhöhle. Im Hintergrund der Hochweiß (2158 m). Foto: R. Seebacher
Einstiegsschacht der Wildbaderhöhle. Foto: R. Seebacher

Oberes Horizontalsystem. Foto: M. Kreuß
Oberes Horizontalsystem. Foto: M. Kreuß

Speziell in der Wildbaderhöhle (1625/150), welche bei einer Länge von 1737 m bis in eine Tiefe von  874 m erforscht wurde, schlummert ein mächtiges Potenzial.
Obere Horizontaletage.Petrefaktengang. Foto: M. Kreuß
So wurde diese Höhle zum Hauptforschungsobjekt dieser Woche erkoren. Mit bis zu vier Vermessungsteams, welche parallel in verschiedenen Bereichen der Höhle arbeiteten,  war bald ein Großteil der bisher bekannten Höhlenteile vermessen. Einige Abschnitte beinhalten bemerkenswerten Sinterschmuck in Form von Tropfsteinen und Kalzitkristallen.
Große Sinterbruchstücke in der oberen Horizontaletage. Foto: M. Kreuß
Kristall und Exzentiquesbildungen. Foto: M. Kreuß
Obere Horizontaletage, kurz vor dem Germanenschacht. Foto: M. Kreuß
Die Höhle weist eine deutliche stockwerkartige Gliederung auf. Es sind mehrere Horizontaletagen ausgebildet (-30 m, -50, -130 m, - 270 m, -360 m, -850 m) die teilweise beachtliche Raumdimensionen erreichen. Die Labyrinthe zwischen -30 m und -130 m wurden großteils aufgearbeitet und neu vermessen (~ 700 m). Die bei -130 m ansetzende Etage ist deutlich an das Fallen der Schichten gebunden und konnte auf eine Länge von über 1500 m in zwei Richtungen vermessen werden. Von dieser Etage führen zahlreiche mächtige Schachtsysteme mit bis zu 195 m tiefen Direktschächten weiter in die Tiefe. Zahlreiche, auch horizontale Fortsetzungen blieben hier noch unbearbeitet. Besonderes Interesse galt einem Abschnitt, welcher von den französischen Höhlenforschern nicht gänzlich untersucht wurde. Um dieses Horizontalsystem zu erreichen, muss über zahlreiche Schachtstufen bis in eine Tiefe von 360 m abgestiegen werden. Besonders beeindruckend ist der vollkommen senkrechte, 151 m tiefe Germanenschacht mit einem Durchmesser von über 10 m.
Enger Schachteinstieg, kurz vor Erreichen des unteren Horizontalnivieaus. Foto: R. Seebacher



Unteres Horizontalniveau, Ostteil. Foto: R. Seebacher
Der besagte Horizontalteil führt sowohl in Richtung Westen, als auch nach Osten, wo in einer Entfernung von rund 2 km das über 23 km lange DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem auf der Tauplitz Hochalm liegt.
Die Gänge sind teilweise als Canyon ausgebildet und erreichen oftmals eine Höhe von 40 m. Nach Westen ist der Mäander anfangs recht schmal und konnte auf eine Länge von 240 m vermessen werden. Hier wurde der Endpunkt der Franzosen noch nicht erreicht. In Richtung Osten hingegen befindet sich bereits nach etwa 150 m der Endpunkt der französischen Höhlenforscher, eine geräumige Halle. Hier war es bereits bei einer er ersten Touren möglich über einen schwierigen, extrem brüchigen Kletteraufstieg die Fortsetzung der Passage zu entdecken. Der schön mit Tropfsteinen und Sinterbildungen dekorierte Gang führt von hier sehr großräumig weiter in den Berg. Starker Luftzug deutet auf ausgedehnte Fortsetzungen hin. Nach einer Strecke von weiteren 200 m erreichte das Vermessungsteam einen beeindruckenden, rund 50 m hohen Dom. Dieser neu entdeckte Höhlenraum wurde zum Andenken an unseren im Vorjahr verstorbenen Höhlenkameraden und Freund  Erwin-Hüttner-Dom benannt.
Trockene Canyonpassage im Ostteil, kurz  nach dem Erwin-Hüttner-Dom.
Foto: R. Seebacher
Im Anschluss an diese Halle kündigte in einer tief eingeschnittenen Schlucht starkes Wasserrauschen einen Bachlauf an. Das Team konnte diesem Bach noch eine Weile lang folgen, bis ein überhängender Abbruch den Vorstoß stoppte. Dieser Punkt liegt bereits 1,2 km vom Eingang entfernt und führt weiter in Richtung Osten.
Erreichter Endpunkt im Ostteil. Foto: H. André
Hier werden die Forschungen im nächsten Jahr fortgesetzt und es wird sich zeigen, wie weit man unter das Hochplateau des Toten Gebirges vordringen kann.
Des weiteren wurde auch die nahe Riffrandhöhle (1625/140) bearbeitet. Dieses Objekt liegt über den Gängen der Wildbaderhöhle und konnte auf 130 m Länge und 46 m Tiefe erforscht und vermessen werden. Leider endet die Höhle in einem riesigen Versturz und es konnte die erhoffte Verbindung nicht realisiert werden. 
Tagesausklang im Gemeinschaftszelt. Foto: M. Kreuß
Obwohl diesmal lediglich in zwei Höhlen geforscht wurde, konnten bei dem Lager fast 4 km an unteririschen Passagen aufgenommen werden. Die durch Vermessung dokumentierte Länge der Wildbaderhöhle liegt nun bereits bei 3.601 m (GML: 3.733 m). Dazu war es notwendig über 600 m an Fixseilen  einzubauen. Sämtliche befahrenen Bereiche wurden zusätzlich mittels Fotos dokumentiert.
Geländeerkundungen und Oberflächenvermessungen rundeten die Arbeiten dieser Woche ab.
In Anbetracht der zahlreichen neu entdeckten Fortsetzungen beabsichtigt der Verein auch im Jahr 2014 eine Forscherwoche in diesem Gebiet abzuhalten.
Nach dem Abstieg fand das Forscherlager in der Steinbrecherhütte bei Bratl und Musik einen gemütlichen Ausklang.

Gemütlicher Ausklang bei der Steinbrecherhütte. Foto: R. Seebacher
Ein Dankeschön an alle Personen, die mit ihrem Einsatz für das Gelingen der Unternehmung „Plankermira-2013“ beigetragen haben. Besonderer Dank gebührt folgenden Personen und Institutionen: Öderer Almgenossenschaft, Österr. Bundesforste AG, Tauplitz Alpgenossenschaft sowie Renate und Albert Sonnleitner von der Steinbrecherhütte in der Ödernalm.