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Montag, 26. August 2019

Forscherlager Plankermira-2019; Wildbaderhöhle überschreitet 10-km-Marke.

Von 10.-18. August 2019 fand bereits zum 7. Mal die Forscherwoche des VHO im Bereich der Plankermira im Südostmassiv (Kat. 1625) des Toten Gebirges statt. Bewährter Stützpunkt war wieder die Schutzhöhle am Hochweiß (1625/74) in 2040 m Seehöhe in der auch das Gemeinschaftszelt aufgebaut wurde. Die Teilnehmer waren: (10.-18.) Heidrun André, Peter Jeutter, Christoph Peer und Robert Seebacher sowie von (14.-18.) Andreas Glitzner, Robin Jeutter und Iris Koller. Franz Schmidt half am 18. wieder beim Abbau des Lagers und beim Abtransport ins Tal.
Das Forschungstam: V.l.n.r.: Iris Koller, Andreas Glitzner, Christoph Peer, Heidrun André, Robert Seebacher, Peter Jeutter, Robin Jeutter und Franz Schmidt. Foto: R. Seebacher
Obwohl das Wetter nicht immer mitspielte, konnten in dieser Woche über 1,3 km neue Höhlengänge vermessen und dokumentiert werden.
Von 11.-14. standen Forschungen im tieferen Bereich der Wildbaderhöhle (1625/150) auf dem Programm. Dazu wurde in einer Tiefe von rund 360 m biwakiert (Heidrun André, Peter Jeutter, Christoph Peer und Robert Seebacher).
Bereits am ersten Tag unternahmen Christoph Peer und Robert Seebacher eine Forschungstour in den Westteil der Höhle. Hier gelang es am Ende der Telegraph road die Verbindung zum weiter westlich gelegenen Echocanyon (1625/545) herzustellen. Dazu musste eine längere Seilquerung eingerichtet werden. Im Bereich der Verbindung setzt in Richtung Süden der stark bewetterte „Schabgang“ an. Dieser Gang konnte vorerst bis zu einem Sachachtabbruch erforscht werden.
In der Telegraph road, kurz vor der Verbindung zum Echocanyon. Foto: R. Seebacher
Am nächsten Tag wurde in den Ostteilen der Höhle weitergeforscht. Hier konnte der im Vorjahr entdeckte, große, in Richtung Nordwesten ziehende Gang bis zu einem beeindruckenden Schacht erforscht werden. Ein zweiter vielversprechender Gangansatz endete leider bald an einem Lehmsiphon. 
Der sehr großräumige, steil ansteigend, wieder in Richtung Westen zurückziehende „Geisterfahrergang“ erbracht schließlich rund 1/4 km Neuland, bevor er an einem Lehmsiphon endet.
Am nächsten Tag gelang es in Biwaknähe mehrere kleinere Fortsetzungen zu erforschen. Die Vermessung dieser Teile erbrachte weitere 140 m an Gesamtlänge.
Im Geisterfahrergang. Foto: R. Seebacher

Im hinteren Abschnitt des Geisterfahrerganges. Foto: R. Seebacher
Andreas Glitzner und Iris Koller konnten im Zuge einer Tagestour auch im oberen Bereich der Höhle Neuland entdecken. Sie traversierten am Ende des Wiederansteigenden Ganges einen Schacht und konnten dort weitere 71 m teils engräumige Teile vermessen.

Bei einer mehr als 9-stündigen Tour in den Echocanyon (Heidrun André, Christoph Peer und Robert Seebacher) gelang es den Schabgang weiter zu erforschen. Hinter einem insgesamt 50 m tiefen Schachtabstieg folgte ein bis zu 40 m hoher und mehrere Meter breiter Gang.
Im bis zu 40 m hohen Schabgang fließt ein bedeutendes Gerinne in einem schotterigen Bachbett in Richtug Süden. Foto: R. Seebacher
Hier herrscht extrem starker Luftzug; in dem Gang fließt ein bedeutender Höhlenbach in Richtung Süden. Die Forschungen wurden hier vorerst an einer über 10 m hohen Kletterstelle gestoppt. Es konnten aber weitere 324 m vermessen werden.
Die grüne Lagune ist ein sehr schöner Tümpel im Bach des Schabganges. Foto: R. Seebacher
Die Gesamtlänge der Wildbaderhöhle erhöhte sich durch die diesjährigen Forschungen auf 11.065 m, die Tiefe blieb mit 874 m vorerst unverändert.

In der Eishöhle Gouffre de la Glacier (1625/407) im Osten des Arbeitsgebietes konnten die Forschungen durch Robin und Peter Jeutter abgeschlossen werden. Hier waren vor allem die Veränderungen der Eisformationen in den letzen Jahren Ziel der Dokumentation.
Mehrere neue Höhlen wurden entdeckt. Das bisher auf 110 m Länge erforschte Foamloch (1625/568) ist davon das bedeutendste Objekt (Iris Koller und Andreas Glitzner). Es besitzt starken Luftzug und könnte in den nächsten Jahren der Schlüssel zu Fortsetzungen in Richtung Osten darstellen.
Der unscheinbare Eingangsschacht des Foamlochs am Tag der Entdeckung. Foto: C. Peer
Nach dem Abstieg zur Ödernalm fand die Forscherwoche in der urigen Steinbrecherhütte bei Bratl und Bier einen gemütlichen Ausklang.
Aufgrund des noch reichlich vorhandenen Forschungspotenzials ist auch für 2020 eine Forscherwoche in diesem Gebiet geplant.
Ungewöhnliche Abendstimmung. Blick zu den Trageln. Foto: R. Seebacher
Ein Dank an alle, die für den Erfolg des Lagers „Plankermira-2019“ beigetragen haben. Besonderer Dank gebührt folgenden Personen und Institutionen: Öderer-Almgenossenschaft, Österr. Bundesforste AG, Tauplitzalm-Alpenstraßen Gesellschaft , Tauplitz Alpgenossenschaft sowie Renate und Albert Sonnleitner von der Steinbrecherhütte in der Ödernalm.
Gemütlicher Abschluss in der Ödernalm. Foto:S. Seebacher

Weitere Infos unter: www.hoehle.at

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Erforschung von zwei neuen Schächten im Bereich des Ozonloches

Blick zurück zur Tauplitzalm und zum Grimming. Foto: R. Seebacher
Am 05.10.2017 unternahmen Christian Huber und Robert Seebacher eine Tour ins Hochkarstgebiet des Toten Gebirges „In den Karen“. Ziel war die Erforschung eines noch unbearbeiteten Schachtes nördlich des Ozonloches (DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem). Der Einstieg liegt auf über 2000 m Seehöhe und befindet sich direkt über einem Schlot des kleinen Horizontalsystems im Ozonloch. Da sich dieser Höhlenteil nur rund 50 m unter der Oberfläche befindet, wurde die Möglichkeit einer Verbindung in Betracht gezogen. Der Schacht hat einen kluftförmigen Einstieg und bricht senkrecht 27 m auf einen Schneeboden ab. Leider konnten keine weiterführenden Fortsetzungen gefunden werden. Unter dem Schnee war ein Versturzboden auszunehmen. Es kann daher angenommen werden, dass auch das Abschmelzen des Schnees keine weitere Fortsetzung freigeben wird. Somit konnte die Erforschung des Schachtes rasch abgeschlossen werden. Große Schwierigkeiten beim Schachteinbau bereiteten die verwendeten Segmentanker der Marke „Sympafix“. Aus diesem Grund erhielt die Höhle den Namen Sympakruzifix-Schacht (1625/553) Die Vermessung ergab eine Gesamtlänge von 40 m bei einer Niveaudifferenz von 30 m.
Der Sympakruzifix-Schacht. Foto: C. Huber
Da noch reichlich Zeit vorhanden war widmete man sich noch der Erforschung einer weiteren Höhle in diesem Areal. Unweit südwestlich des Ozonloches befindet sich ein kleiner stark bewetterter Kluftschacht. Auch hier wurde ein möglicher Zusammenhang mit dem DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem vermutet. Nach einem 18 m tiefen Einstiegsschacht führt die Höhle als schmale Kluft horizontal weiter, um nach rund 10 m an einer nur 10 cm breiten Engstelle zu enden. Hier war sehr starker Luftzug bemerkbar, der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich aus den nur wenige Zehnermeter entfernt gelegenen Teilen des Ozonloches stammt. Eine Verbindung konnte aber auch hier nicht realisiert werden.
Eingang des Ozongebläses. Foto: C. Huber
Insgesamt wurde die auf Ozongebläse (1625/554)getaufte Höhle auf 34 m Länge und 18 m Tiefe dokumentiert.

Mittwoch, 18. Februar 2015

Erneuter Tiefenvorstoß im Ozonloch (DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem)

Im März 2014 war es gelungen, im Tiefensystem des Ozonlochs den stark hochwassergefährdeten 119 m tiefen Silberschacht zu überwinden. In einem weiterführenden Canyon musste wegen Seilmangel in 789 m Tiefe umgekehrt werden.
Der Aufstieg zum Eingang erfolgte bei idealen Wetterbedingungen. Foto: R. Seebacher
Nun wurde im Februar 2015 die Erforschung dieses bedeutenden Tiefensystems durch Peter Jeutter und Robert Seebacher fortgesetzt.
Der Aufstieg mit Tourenschi erfolgte am Freitag den 13. bei herrlichem Winterwetter und ohne Schwierigkeiten. Der Einstieg war Aufgrund des bisher stürmischen Winterverlaufes nur mit einem ca. 50 cm dicken Schneedeckel verschlossen und war rasch geöffnet.
Bereit für den Abstieg. Foto: R. Seebacher
Im Biwak, 460 m unter dem Eingang. Foto: R. Seebacher
Anschließend erfolgte der Abstieg bis ins Biwak in 460 m Tiefe. Am nächsten Tag wurde nach einem ausgiebigen Frühstück die Erforschung in Angriff genommen. Dazu mussten 160 m neues Seil, Verankerungsmaterial und ein Akku-Bohrhammer mitgenommen werden. In den sehr hochwassergefährdeten Abschnitten Traglkaskaden (-587 m bis -660 m) und dem Silberschacht (-660 bis -780 m) waren fast sämtliche Seile nach der letzten Tour aufgezogen worden und mussten nun neu eingebaut werden. Am bisherigen Forschungsendpunkt gelang es in rund 790 m Tiefe einen sehr nassen Schacht zu traversieren und in einen fossilen Höhlenteil zu gelangen. Dieser Abschnitt führt mit bis zu 20 m tiefen Schachtstufen nordwärts weiter in die Tiefe. Der anfangs trockene Lehm wurde ab – 830 m von zähem „Gatsch“ abgelöst. Der durch ein Sickerwassergerinne total durchfeuchtete Lehm geriet immer wieder in Bewegung und ergoss sich in Form von kleinen Schlammlawinen in die folgenden kleinen Schachtstufen.  So wurde dieser Höhlenteil kurzerhand mit dem Namen „Niagatschera-Fälle“ versehen. 
Im Höhlenteil "Niagatschera-Fälle" in ca. 860 m Tiefe. Foto: R. Seebacher
Nachdem sämtliches Seil verbraucht war, wurde der Vorstoß nach einer kurzen abfallenden Canyonpassage durch einen neuerlichen Schachtabbruch gestoppt. Dieser Punkt liegt bereits auf einer Seehöhe von 1126 m, 870 m unter dem Eingang. Ein in dieser Tiefe vermutetes Horizontalniveau konnte in dieser Höhle bisher noch nicht nachgewiesen werden.
Bei diesem Vorstoß handelt es sich um den bisher zweittiefsten erreichten Punkt im DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem, sowie um den vierttiefsten Abstieg im gesamten Toten Gebirge.
Wieder am Tageslicht. Im Hintergrund das Gr. Tragl (2179 m). Foto: R. Seebacher
Im Zuge dieser 68-stündigen Tour konnten 124 m Neuland vermessen werden. Dadurch erhöhte sich die Gesamtlänge des DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystems auf 23.847 m, die Niveaudifferenz bleibt mit 1092 m unverändert.

Ein Dank für die logistische Unterstützung gebührt der Tauplitz Alpenstraßen AG, Johann Stieg, Herbert Bliem (Naturfreundehaus) sowie Franz Reischl (Kirchenwirt).

Sonntag, 26. Oktober 2014

Entlegenes Neuland im Sonnenleiterschacht (DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem)

Im Zubringergang zum Hauptsystem des Sonnenletierschachtes. Foto: R. Seebacher
Von 15. bis 17. Oktober 2014 unternahmen Christian Huber, Roland Janko, Johann Püreschitz und Robert Seebacher eine insgesamt 45-stündige Forschungstour in das DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem (1625/379) auf der Tauplitz-Hochalm „Trageln“. Als Stützpunkt für die zwei Biwaknächte diente das RK-Biwak in 380 m Tiefe. Ziel der Forschungen war die Suche nach einer Fortsetzung des ausgedehnten Horizontalteiles des Sonnenleiterschachtes in Richtung Norden, bzw. Nordwesten. Um zum Forschungsendpunkt zu gelangen, muss ein vor allem im hinteren Bereich äußerst mühsamer Weg zurückgelegt werden.  Dazu wurden bei einer Tour im Vorjahr bereits umfangreiche Wegverbesserungsarbeiten durchgeführt. Zahlreiche Schachttraversen, Auf- und Abstiege sind zu überwinden. 
Der nördlichste Bereich des Horizontalsystems ist an eine hohe Kluft angelegt und teilweise schwierig zu befahren. Foto: R. Seebacher
Der Endpunkt konnte so relativ rasch in einem rund 2,5-stündigen „Marsch“ erreicht werden. Untersucht wurde ein stark bewetterter Kluftschacht am nördlichsten Punkt des Höhlensystems. Der Abstieg brachte die Forscher über mehrere Stufen bis zu einer sehr tiefen Schachtstufe. Mangels Seil musste der Vorstoß an diesem Punkt abgebrochen werden. Ob dieser Schacht tatsächlich wieder in horizontale Höhlenteile führt ist fraglich und wird bei einer nächsten Tour abgeklärt werden. Eventuell ist die Fortsetzung des fossilen Sammlers auch in einer Kluft oberhalb des bisherigen Höhlenendes zu suchen. Insgesamt gelang es bei dieser Tour in diesem Bereich 118 m Neuland zu vermessen.
Abstieg durch den neu erforschten Kluftschacht. Foto: R. Seebacher
Zusammen mit weiteren, 42 m, welche am Vortag in biwaknähe vermessen werden konnten ergibt sich ein Längenzuwachs von 160 m. Die vermessene Gesamtlänge des DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystems beläuft sich somit aktuell auf 23.722 m.

Dienstag, 21. Oktober 2014

Weitere Forschungen im Gebiet „In den Karen“ auf der Tauplitz-Hochalm

Am 06.10.2014 wurden die Forschungsarbeiten im Gebiet „In den Karen“, nördlich der Tauplitz Schachtzone fortgesetzt. Christian Huber und Robert Seebacher begaben sich bei herrlichem Herbstwetter in das Kahlkarstgebiet auf knapp 2000 m Seehöhe. Wahllos wurde in einer Zone mit zahlreichen, noch unerforschten Schachteinstiegen ein Objekt ausgewählt.
Die beiden Eingänge des Gerlinde-Schachtes. Foto: R. Seebacher
Der 27 m tiefe Einstiegsschacht. Foto: C. Huber
Der geräumige Einstiegsschacht der auf Gerlinde-Schacht (1625/534) getauften Höhle bricht senkrecht 27 m auf einen Blockboden ab. Nach einem engen Durchstieg und einem weiteren, engräumigen 15 m tiefen Abstieg schien die Höhle ihr vorzeitiges Ende zu finden. Starke wechselnde Wetterführung animierte die Forscher jedoch zu einer längeren Grabarbeit in einem Versturz. Nach über einer Stunde Arbeit gelang es das Hindernis zu überwinden und in einen weiteren, 8 m tiefen Schacht vorzudringen.
Die freigelegte Passage. Foto: R. Seebacher
Am Grund dieses Schachtes wurde erneut ein sperrender Versturz angetroffen. Ein Ausräumversuch gelang, jedoch verkeilten sich die großen Blöcke wenige Meter tiefer im Schacht und blockieren diesen nun vollkommen. Um hier weiter vordringen zu können, müsste bei einer weiteren Tour mit Werkzeugen das Blockwerk zerkleinert und der Schacht mühsam ausgeräumt werden.
Insgesamt konnte der Gerlinde-Schacht auf eine Länge von 88 m bei einer Niveaudifferenz von 48 m erforscht und vermessen werden.

Weiters wurde am 07.10.2014 versucht, den bereits in den 1970er-Jahren von Französischen Höhlenforschern bearbeitete Kärntnerschacht I (1625/209) an das DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem (1625/379) anzuschließen.
Gang bei 70 m Tiefe. Foto: R. Seebacher

Dieser Gang endet leider an einem Versturz. Foto: R. Seebacher

Der Kärntnerschacht 1 führt ziemlich direkt bis in eine Tiefe von über 150 m. Foto: R. Seebacher
Bei einer informativen Befahrung dieses Schachtes konnte vor zwei Jahren ein bewetterter Versturz gefunden werden. Diese Stelle liegt nur etwa 30 m von den Gängen des Ozonlochs entfernt und nährte die Hoffnung diese Höhle an das über 23 km lange Höhlensystem anbinden zu können. Der Abstieg durch den großen Direktschacht des Kärntnerschachtes gestaltete sich einfach und der in rund 70 m tiefe gelegene Versturz war rasch erreicht. Eine längere Räumarbeit an dem Versturz erbrachte den Durchbruch in eine nach oben führende Kluft, welche aber leider bald durch sehr große Blöcke total verstürzt endet. Obwohl der erhoffte Zusammenschluss nicht gelang, erbrachte die Tour immerhin eine exakte Neuvermessung des Kärntnerschachtes bis in eine Tiefe von 71 m. Die aktuelle Gesamtlänge beläuft sich nun auf 198 m bei einer Tiefe von 152 m.
Herrlicher Sonnenuntergang mit Blick zum Grimming. Foto: R. Seebacher

Montag, 17. März 2014

Tiefenvorstoß im Ozonloch (Erforschung des Silberschachtes)

Von 05.03. bis 08.03.2014 unternahmen Peter Jeutter und Robert Seebacher eine Forschungstour in die tiefen Teile des Ozonlochs (DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem) auf der Taupllitz-Hochalm.
Der zweistündige Aufstieg von der Tauplitzalm bis zum Eingang erfolgte bei Schneesturm und winterlichen Bedingungen. Anschließend stiegen die beiden bis zum Biwak in 460 m Tiefe ab. Bepackt mit je 2 schweren Schleifsäcken gestaltete sich der Abstieg dem entsprechend anstrengend.
Der Traglgang, ca. 580 m unter dem Eingang. Foto: R. Seebacher
Am nächsten Tag wurde dann bis in eine Tiefe von 661 m abgestiegen. Hier musste die stark hochwassergefährdete Schacht- und Canyonfolge der Traglkaskaden bis zum alten Forschungsendpunkt mit Seilen und neuen Umsteigstellen versehen werden.
Für einen Vorstoß in den dort ansetzenden Silberschacht blieb jedoch an diesem Tag kein Seil übrig. So wurde der Vorstoß in den großen, äußerst hochwassergefährdeten Schacht auf den dritten Tag der Expedition verschoben.
Erster Schachtabstieg der Traglkaskaden (-595 m). Foto: R. Seebacher

Ausgerüstet mit insgesamt rund 180 m Seil, 25 Verankerungen und einem Akkubohrhammer wurde die Erforschung des Silberschachtes in Angriff genommen. Der Abstieg hat einen Durchmesser von 10-15 m und wird zu einem großen Teil vom Sprühregen des darin hinabstürzenden Wasserfalles eingenommen. Gottlob lag die Schüttung des Gerinnes aufgrund der winterlichen Bedingungen bei nur etwa 1-2 l/s. Da der Wetterbericht Schönwetter für diesen Tag prognostizierte war aber äußerste Vorsicht angesagt. Mit einem Anstieg der Wasserführung ab Nachmittag war zu rechnen.
Einstieg in den Silberschacht bei -661 m. Foto: R. Seebacher
So mussten viele Querungen und Umsteigstellen eingerichtet werden um den Schacht halbwegs hochwassersicher einbauen zu können. Mit dem absolut letzten Meter Seil konnte schließlich der Boden des 119 m tiefen Silberschachtes erreich werden. Dort führt ein geräumiger Canyon weiter in die Tiefe. Hier konnten die zwei noch rund 10 m bis in eine Gesamttiefe von 789 m abklettern. Dort verschwindet der Bach über mehrere Kaskaden in noch unbekannte Tiefen. Die Höhle setzt sich großräumig weiter fort.
P. Jeutter und R. Seebacher am Grund des Silberschachtes. Foto: R. Seebacher
Beim Rückweg stieg die Schüttung des Baches tatsächlich auf etwa das Dreifache an und der gute Schachteinbau machte sich bezahlt. Der Aufstieg zum Biwak gestaltete sich daher ohne größere Schwierigkeiten. Alle Seile in den tieferen Teilen mussten wegen der oft enormen Schüttung wieder ausgebaut werden.
Am vierten Tag erfolgte schließlich der Ausstieg vom Biwak zur Oberfläche (5 h) und die Abfahrt zur Tauplitzalm, wo der Tag im Naturfreundehaus einen gemütlichen Ausklang nahm.
Abfahrt bei herrlichem Winterwetter. Foto: R. Seebacher
Insgesamt konnten 157 m neue Höhlenteile erforscht und vermessen werden, wodurch sich die Gesamtlänge des DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystems auf 23.563 m erhöhte.
Mit einer erreichten Tiefe von 789 m unter dem Einstieg war dies der bisher vierttiefste Abstieg im DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem. Alle anderen tieferen Abstiege fanden ausschließlich im Tiefensystem des DÖF-Schachtes statt und wurden ebenfalls von Peter Jeutter und Robert Seebacher durchgeführt.
Für die logistische Unterstützung bei dieser Tour sei Johann Stieg und Herbert Bliem besonders gedankt!

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Erforschung des Tragl-Ostwandschachtes

In der Ostwand des Gr. Tragl (2179 m) befindet sich eine Schachthöhle, welche durch ihren hoch gelegenen Einstieg ein Hoffnungsträger für einen weiteren Tiefenzuwachs des DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem (1625/379) darstellt.  Der große Schachteinstieg befindet sich mitten in der Felswand auf einer Seehöhe von 2096 m und wurde bereits in den 1990er-Jahren von R. Seebacher entdeckt und bis in eine Tiefe von rund 30 m befahren. Dort stoppten enorme Schneemassen den Vorstoß.
Am 08. Oktober 2013 wurde nun die Erforschung des Tragl-Ostwandschachtes 1625/458 durchgeführt. Die Teilnehmer waren, Christian Huber, Roland Janko, Johann Püreschitz und Robert Seebacher.
Diesmal waren die Verhältnisse besser und das Team gelangte durch den 32 m tiefen Einstiegsschacht in eine geräumige Schneehalle. Dort war es möglich, durch einen schmalen Spalt zwischen Schnee und Felswand weitere 20 m abzuseilen. Ein dort ansetzender, schneefreier und deutlich bewetterter Seitenteil schien eine gute Fortsetzungsmöglichkeit zu sein, entpuppte sich jedoch nach rund 30 m am Grund eines 14 m tiefen Schachtes leider als Niete. Ein Versturz, 71 m unter dem Eingang versperrt hier den erhofften Weg in die Tiefe.

Ein weiterer Weg führt in 48 m Tiefe wieder durch einen schmalen Spalt, an einer Schneebrücke vorbei weiter in die Tiefe. Wilde Firnformationen in einem geräumigen Schachtraum begrüßten die Forscher um sie bald wieder in einen Spalt zwischen Schnee und Firn zu zwingen. Nochmals erweitert sich der Raum zwischen Fels und Schnee zu einem ansehnlichen Schacht um in einer Gesamttiefe von 86 m in Versturz- und Schneemassen zu versinken. Eine kurze Grabung am Schachtgrund erbrachte keinen Durchbruch in weitere Schächte und so kann die Erforschung des Tragl-Ostwandschachtes leider als abgeschlossen gelten. Die Vermessene Gesamtlänge beträgt 166 m.

 Bilder: J. Püreschitz, R. Seebacher

Sonntag, 13. Oktober 2013

Überprüfung der Einbauten im Sonnenleiterschacht


Von 01. bis 02. Oktober 2013 unternahmen Christian Huber und Robert Seebacher eine Biwaktour in das DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem. Ziel der Unternehmung war die Überprüfung, bzw. Erneuerung der Einbauten im Sonnenleiterschacht. Am ersten Tag wurden mehrere Seile in den Zubringerschächte und in den Nordteilen des Systems ausgetauscht. Weiters mussten zahlreiche Verankerungen erneuert, bzw. ergänzend angebracht werden. In einer sehr anstrengenden 12-Stunden Tour gelang es so bis zum nördlichsten Punkt des Höhlensystems vorzudringen. Ein geplanter, kurzer Vorstoß an diesem Punkt konnte aufgrund von Zeit- und Materialmangel nicht mehr realisiert werden. Es wurde jedoch die schon lange ausstehende Fotodokumentation der Saurierknochen im Höhlenteil „Triassic-Park“ durchgeführt. Am zweiten Tag gelang es im Bereich des Schleusenschachtes III und im Gang zwischen diesem und dem Hauptsystem 105 m an Reststrecken zu vermessen. Die Gesamtlänge des DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem stieg dadurch auf 23.315 m.

Sonntag, 9. Januar 2011

Neujahrstour ins Ozonloch (DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem)

Von 01. bis 04. Jänner 2011 unternehmen Peter Jeutter und Robert Seebacher eine 69-stündige Biwaktour ins DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem. Eingestiegen wurde durch das auf einer Seehöhe von 1995 m gelegenen Ozonloch, welches momentan den höchsten Eingang des Höhlensystems darstellt. 
Aufgrund der geringen Schneelage musste der Eingang nicht ausgeschaufelt werden und so gestaltete sich der Weg ins Biwak reibungslos und ohne nennenswerte Verzögerungen.  
Dennoch mussten bis zum Biwak, welches in einer Tiefe von 460 m liegt insgesamt 22 Schachtstufen und mehrere Engstellen überwunden werden.
Aufgrund der extremen Trockenheit, verursacht durch den bisher sehr kalten Winter, entschlossen wir uns spontan einen kleinen Tiefenvorstoß durchzuführen. Am bisherigen tiefsten Punkt des Ozonlochs bei -591 m verschwindet der Traglbach in einem unerforschten Schachtsystem. Der Bach weist meist eine sehr hohe Schüttung auf, welche im Frühjahr und Sommer in den 100 l-Bereich anschwellen kann. Aus diesem Grund ist die Befahrung dieses Höhlenteiles meist gar nicht möglich und lebensgefährlich.

Da sich nun aber ideale Verhältnisse boten, stieg man am nächsten Morgen zum Traglbach ab, um dessen Lauf weiter in die Tiefe zu verfolgen.
Der anfangs eher kleinräumige Canyon wird bald größer und weitet sich zu einer eindrucksvollen Folge von bis zu 20 m hohen Wasserfallstufen. Obwohl eine Schüttung von weniger als 1 l/s herrschte war es mehrmals schwierig dem Wasser vollkommen auszuweichen. In einer Tiefe von 650 m war dann das mitgebrachte Seil zu Ende. Unter Zuhilfenahme der Steigschlingen und der Sicherungsschlingen war es dann noch möglich eine kurze glatte Felsstufe zu überwinden.
Darunter gelangten die beiden durch einen horizontalen, blankpolierten Canyon zum Ansatz eines mächtigen Schachtes. Dieser Punkt liegt bereits 661 m unter dem Eingang. Der Schacht, welcher Silberschacht genannt wurde, ist mindestens 30 m tief und hat einen Durchmesser von 8 m.

Nachdem wir alle Seile wieder ausgebaut und bis 590 m Tiefe aufgestiegen waren vermaßen wir noch einen dort ansetzenden, kleinen Seitengang. Dieser führte in einen herrlich mit schneeweißem Sinter und Exentriques geschmückten Raum, die Schatzkammer. Dabei handelt es sich um den bisher am schönsten mit Sinter geschmückten Höhlenteil des gesamten DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystems.
Nach einer ausgiebigen Fotodokumentation dieses herrlichen Teiles stieg man zufrieden und müde wieder bis ins Biwak auf.
Am zweiten Forschungstag ging es dann nochmals hinunter auf -530 m, wo eine schon lang bekannte, engräumige, jedoch stark bewetterte Fortsetzung auf ihre Erforschung wartete.
Hier gelang es über ein kleinräumiges Überführungsrohr in einen Gang mit etwa 2 m Durchmesser zu gelangen. Nach einem 16 m tiefen Abstieg und einer Schachtquerung konnte hier eine Verbindung zum Traglbachsystem im Bereich des Unbegehbaren Gangs hergestellt werden.
Vor der Querung führt ein schöner phreatischer Gang mit durchschnittlich 3 m Durchmesser weitere 100 m in Richtung Süden. Dort musste an einer kleinen Kletterstelle, welche ohne Seil nicht mehr überwindbar war umgekehrt werden.
Insgesamt erbrachte diese erfolgreiche Forschungstour 457 m Neuland, wodurch die vermessene Gesamtlänge des DÖF-Sonneleiter-Höhlensystems auf 22.694 m anwuchs. Zahlreiche interessante Fortsetzungen bieten noch weiteres Forschungspotenzial in diesem Höhenbereich.
Für logistische Unterstützung bei der An- und Abreise sei an dieser Stelle besonders der Tauplitz-Alpenstraßen-GmbH & Co KG und Hans Stieg gedankt.