Samstag, 20. Oktober 2018

Forschungen mit Frauenpower in den Nordteilen des Sonnenleiterschachtes


Von 11. Bis 14. Oktober 2018 unternahmen Heidrun André, Rebecca Lawson, Pauline Oberender und Robert Seebacher eine insgesamt 71-stündige Biwaktour in das DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem (Kat.Nr. 1625/379).
Gut gelaunt am Eingang des Sonnenleiterschachtes. Foto: R. Seebacher
Schleusenschacht III, P 57 kurz vor dem Horizontalsystem. Foto: R. Seebacher
Der Zustieg erfolgte über den Eingang des Sonnenleiterschachtes in 1908 m Seehöhe. Über geräumige Schächte (P 18, P 93, P 20, P 10, P 45, P 88 und P 57), die nur durch eine kurze Engstelle unterbrochen sind gelangt man hier rasch bis in 355 m Tiefe, wo das ausgedehnte Horizontalsystem der Höhle erreicht wird. Bei -370 m wurde an einer stark bewetterten Stelle ein vom Naturhistorischen Museum zur Verfügung gestelltes Radon-Messgerät deponiert. Anschließend ging es weiter zum RK-Biwak in knapp 400 m Tiefe, welches Aufgrund von Platzmangel und der latenten Feuchtigkeit aufgelassen und gesäubert wurde. An der Wasserstelle unterhalb des Biwaks konnte ein neben dem Gerinne herumkletternder Höhlen-Pseudoskorpion Neobisium aueri beobachtet werden. Etwa 100 m weiter nördlich gelang es einen geeigneten Platz ausfindig zu machen und das neue, geräumige und trockene Megalodonten-Himmel-Biwak zu errichten.
Im neuen Megalodonten-Himmel-Biwak. Vlnr. Pauline, Becka, Heidi und Robert. Foto: R. Seebacher
Ausgehend von diesem neuen Stützpunkt ging es am nächsten Tag in rund 3 Stunden nach Waterloo, dem nördlichsten Punkt des Höhlensystems. Während Becka und Pauline Seile aus einem dort ansetzenden Schacht ausbauten, erbohrten Heidi und Robert eine 10 m hohe Wandstufe zu einem neuen Gang. Leider endet dieser interessante Ansatz aber bereits nach etwa 20 m an einem bewetterten Versturz. Anschließend begab sich das Team in das so genannte Facettenland, wo zwei rund 5 m hohe Aufstiege überwunden wurden. Oberhalb gelang es einen zuerst nach Osten und dann nach Nordosten ziehenden Rettichgang zu entdecken und auf rund 200 m Länge zu vermessen. Die Passage weist besonders schöne Profile und Sinterbildungen auf, ist deutlich bewettert und konnte bis zu einer mit Sediment verlegten Engstelle verfolgt werden. Dieser Punkt befindet sich bereits unweit südlich des Kl. Brieglersberges, etwa 400 m unter der Oberfläche. Durch Ausräumen scheint es möglich zu sein hier weiter in Richtung Norden vorstoßen zu können. Bei einer Rast im Facettenland konnte schließlich noch ein Höhlen-Pseudoskorpion beobachtet werden.
Gerölle im neu entdeckten Rettichgang. Foto: R. Seebacher
Am zweiten Forschungstag stand die Erkundung des mindestens 100 m tiefen, nassen Windschachtes auf dem Programm. Dazu musste abermals der lange Marsch, ganz in den Norden zurückgelegt werden. Aus diesem Schacht kommt ein Großteil der starken Wetterführung, die die Nordteile und die Nordwestpassage des Sonnenleiterschachtes durchströmt.
Um hochwassersicher absteigen zu können, war es erforderlich zahlreiche Umsteigstellen und kleine Querungen im Schacht einzurichten. Dadurch war das mitgebrachte Material bald verbraucht und es konnte die Sohle des etwa 130 m tiefen Abstieges nicht erreicht werden. Der Endpunkt liegt noch etwa 60 m über dem dank Scurion-Lampen eingesehenen Schachtboden. Ob hier die Hauptfortsetzung der Höhle in Richtung Norden zu finden ist muss also bei der nächsten Tour geklärt werden.
Schachtquerung am Weg in die Nordteile. Foto: R. Seebacher
Die Auswertung der Radon Messungen ergaben jedenfalls sehr hohe Werte, was auf ausgedehnte, noch unbekannte Gangsysteme weiter im Norden hinweist.
Insgesamt gelang es bei dieser Tour 326 m teils schwieriges Neuland zu vermessen. Durch die neuen Entdeckungen ergibt sich für das DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem eine vermessene Gesamtlänge von 24.172 m bei einer unveränderten Tiefe von 1092 m.
Vielen Dank an Dr. Rudolf Pavuza für die Bereitstellung des Radon-Dosimeters und die rasche Auswertung der Daten, sowie an die Familie Sölkner für die herzliche Bewirtung in der Steirerseehütte.

Montag, 16. April 2018

Erfolg im Zuge des Tauplitzalm-Projektes


Ende Jänner 2018 konnte bei einer Befahrung der Hemernbodenhöhle festgestellt werden, dass der Eisrückgang in den Eingangsteilen unaufhaltsam fortschreitet. Dadurch war es nicht möglich, wie geplant in die hinteren Höhlenteile vorzudringen, da der Eisboden unter dem 1. Aufstieg so tief abgeschmolzen war, dass eine Querung unmöglich wurde. Dafür konnte der seit Jahrzehnten zugeeiste westliche Gang wieder offen angetroffen werden. Ein Abstieg ohne Seil war bei dieser Tour aber nicht möglich.
Schöne Eisbildungen in der Eingangshalle der Hemmernbodenhöhle. Foto: R. Seebacher
Bei der Erkundung des Teiles im Februar wurde festgestellt, dass der 1977 begangene kleine Gang mit Eisboden lediglich die Deckenregion eines nun vollkommen freigeschmolzenen, großen Raumes war. Der so genannte Damenschacht endet in 27 m Tiefe verstürzt, bzw. zugeeist. Eine Traverse ermöglichte jedoch den Zugang zu einem stark bewetterten Kriechgang, der weiter schräg nach unten führt. Die Passage mündet in die „Matrix“ einen unübersichtlichen Teil mit mehreren Schloten und Gangansätzen wo sich die Wetterführung verliert. Hier musste bei der nächsten Tour der Weiterweg gefunden werden. Durch Ausräumen und Erweitern eines Schlufes gelang es von dort in den weiterführenden „Gefriergetrockneten Gang“ vorzudringen. In diesem mit Eis und Sinter schön dekorierten Gang verliert sich die anfangs starke Wetterführung allmählich erneut. Zwei Kletteraufstiege von 6 und 4 m führen zu einer Engstelle, die mühsam erweitert werden musste. Dahinter liegt die „Matrix reloaded“, ein verwinkelter, komplexer Höhlenteil mit mehreren Schloten. Das technische Erklettern zweier Schlote, sowie das Ausräumen von zwei Verstürzen erbrachten nicht den erhofften Durchbruch. Die Wetterführung verliert sich in zahlreichen unschliefbaren Spalten.
Schöne Eiskeulen in der Matrix. Foto: R. Seebacher
Am Ende des Gefriergetrockneten Ganges, noch vor dem Aufstieg zur erweiterten Engstelle konnte aber durch einen Rauchversuch festgestellt werden, dass der Luftzug teilweise durch ein verstürztes Bodenloch verschwindet. Durch mehrstündiges Ausräumen gelang es schließlich den kleinen Zugang zu einem 8 m tiefen Schacht und einen weiterführenden engen Canyon zu öffnen. Der Canyon ist sehr stark einwärts bewettert und verengt sich nach wenigen Metern auf nur etwa 10 cm Breite. Bei der nächsten Tour gelang es aber, diese Stelle in mehrstündiger Arbeit auf befahrbare Dimensionen zu erweitern. Wenige Meter dahinter brachte ein 7 m  Abstieg den Zugang zu einem weiteren Schacht  mit einem recht engen Einstieg. Darunter erweitert sich der 22 m tiefe, sehr schöne Schacht aber auf 5 m Durchmesser. Von dessen Boden führt ein weiterer, geräumiger, noch unerforschter Schacht in die Tiefe. Dieser, immer noch stark bewetterte Punkt befindet sich bereits 85 m unter dem Eingang und es scheint, dass an dieser Stelle tiefer ins Tauplitzalm-Plateau vorgedrungen werden kann. Möglicherweise gelingt hier sogar der Abstieg zum gesuchten Sammler des Gebietes.
Bemerkenswerte Sinterbildungen im Gefriergetrockneten Gang. Foto: R. Seebacher

Während der 8 Forschungstouren von Jänner bis April 2018 gelang es insgesamt 413 m Neuland zu dokumentieren, wodurch die Hemernbodenhöhle aktuell eine Länge von 618 m aufweist. Sie wird dadurch zur dritten Großhöhle des Tauplitzalm-Plateaus.
Folgende Personen waren an den bisherigen Forschungen beteiligt: Heidrun André (1), Christoph Peer (3), Sebastian Seebacher (4), Robert Seebacher (8)
Ein geräumiger 22 m Schacht führt zum bisher tiefsten erreichten Punkt der Höhle. Foto: R. Seebacher


Sonntag, 31. Dezember 2017

Kleiner Durchbruch in der Bullenhöhle

Der Eingang zur Bullenhöhle offnet sich am Plateau der Tauplitzalm. Foto: R. Seebacher
Am 29.12.2017 unternahmen Christian Huber, Christoph Peer und Robert Seebacher eine Tour in die Bullenhöhle auf der Tauplitzalm. Erneut war der End-Lehmsiphon in 180 m Tiefe Ziel der Unternehmung. Bei der letzten Aktion im März 2017 konnte im 2. Lehmsiphon eine Stelle erreicht werden, von der aus der kleine Gang wieder nach oben führt. Dieser Umstand nährte die Hoffnung auf einen möglichen baldigen Durchbruch.

Am Weg zum tiefsten Punkt der Höhle ist so manche Engstelle zu überwinden. Foto: R. Seebacher
Diesmal gelang es nach mehrstündiger Räumarbeit tatsächlich den Lehmsiphon 2 zu überwinden. Dahinter befindet sich ein rund 4 m langer, 1,5 m breiter und 4 m hoher Raum. Die weitere Fortsetzung ist aber leider wieder durch Lehm fast vollkommen verschlossen. Es ist nun aber möglich, die Lehmmassen in diesem Raum zu deponieren, was die weitere Arbeit enorm erleichtert. Bisher musste sämtliches Abraummaterial durch den freigegrabenen, über 10 m langen Schluf hinaus transportier werden. Es ist geplant, die Arbeiten an dieser Stelle bald fortzusetzen, da hier eine reelle Chance besteht den gesuchten Tauplitz-Aquifer zu erreichen.

Das Team im letzten größeren Raum vor dem Lehmsiphon. Foto: R. Seebacher

Mittwoch, 1. November 2017

Die Sagtümpelquelle; Renaturierung eines Naturjuwels

Rund 2,5 km nordöstlich der Ortschaft Tauplitz unweit der Straße zur Gnanitzalm befindet sich idyllisch im Wald gelegen der sagenumwobene „Sagtümpel“. Es handelt sich dabei um eine der in Österreich sehr selten anzutreffenden vauclusischen Riesenkarstquellen, was bedeutet, dass das Wasser aus einem tiefen Quellsee von unten emporgedrückt wird.
Die Wasserführung schwankt sehr dynamisch zwischen etwa 10 l/s und über 10 m³/s, wobei das Einzugsgebiet der Quelle weit nach Westen reicht und hauptsächlich das Plateau der Tauplitzalm umfasst. Bereits in den 1950er-Jahren bewiesen Markierungsversuche einen direkten Zusammenhang mit der Bachversickerung des Krallersees im Schnittlamoos, nördlich des Hollhauses. Das Wasser überwindet dabei einen Höhenunterschied von über 600 m bei einer Entfernung (Luftlinie) von fast 4 km. Das Wasser der Quelle fließt über den naturbelassenen Sagtümpelbach zum Tauplitzer Wasserfall, der mit einer herrlichen 30 m hohen Kaskade in den Grimmingbach stürzt.

Der Tauplitzer Wasserfall. Hier mündet der Sagtümpelbach in die Grimming. Foto: R. Seebacher
Aufgrund der großen Tiefe und des mystischen Aussehens des Sagtümpels rankt sich auch eine Sage um diesen magischen Ort. 


Leider wurde der rund 30 m lange, 15 m breite und 10 m tiefe Quelltopf im Jahre 1975 im Zuge der Wasserversorgung vollkommen mit Schotter verfüllt und zubetoniert. Seit in den 2000er-Jahren, die Trinkwasserentnahme aufgrund mangelnder Wassergüte jedoch eingestellt wurde, lag die Fassungsanlage brach und war dem Verfall preisgegeben.
Situation vor Projektbeginn. Foto: R. Seebacher
Die Idee für eine Renaturierung bestand bereits seit mehreren Jahren. Anfang 2016 gelang es nun über Initiative des Verfassers die Gemeinde Bad Mitterndorf und die Grundbesitzer dafür zu gewinnen. Das Vorhaben wurde mittlerweile als LEADER-Projekt angenommen. Nach Erteilung der erforderlichen Genehmigungen, wurde im Herbst 2016 mit der Renaturierung begonnen. Dazu war es erforderlich in aufwendiger Arbeit sämtliche Betonteile abzutragen, sowie mittels Spezial-Bagger den Quellsee wieder freizulegen. Anschließend musste der Wasserspiegel wieder auf die ursprüngliche Höhe um 3,5 m angehoben werden.
Freischremmen des Quelltopfes mit schwerem Gerät. Foto: R. Seebacher
Durch die gelungene Renaturierung entstand ein interessantes Ausflugsziel für Sommer- wie auch Winterspaziergänge in der Natur. Eine Aufbereitung des Umfeldes mit Bänken und Schautafeln, sowie die Anlage eines Rundweges zum Thema Karst, Wasser, Geologie und Höhlen ist geplant.
Der Sagtümpel könnte als Glücks- bzw. Kraftplatz mit beruhigendem Ambiente wieder ein
beliebtes Wander- und Ausflugsziel in Ortsnähe von Tauplitz werden.
Der naturnah gestaltete neue Überlauf des Quelltopfes. Foto: R. Seebacher

Der rund 10 m tiefe Quelltopf der Sagtümpelquelle. Foto: R. Seebacher
Eröffnung im Oktober 2017. Foto: S. Seebacher
Ziemlich genau nach einem Jahr konnte das Projekt abgeschlossen und nach einer würdigen Einweihungsfeier seiner Bestimmung übergeben werden.

Robert Seebacher/Projektleiter

Montag, 30. Oktober 2017

Erforschung des Blanken Schachtes fortgesetzt

Im Oktober 2012 wurde der am Löckenkogel in knapp 2000 m Seehöhe gelegene Blanke Schacht (1625/530) von Robert Seebacher erstmals befahren und bis in 48 m Tiefe vermessen. Der Schacht führt von diesem Punkt weiter in die Tiefe. http://vho-caving-news.blogspot.co.at/2012/10/neue-hohlen-im-sudostmassiv-des-toten.html
Der Einstieg zum Blanken Schacht. Foto: C. Huber
In rund 45 m Tiefe. Foto: C. Huber
Nun, fünf Jahre später setzten Christian Huber und Robert Seebacher die Forschungen in dieser sehr interessanten Höhle fort. Am 04.10.2017 stiegen die beiden von den Steyrersee-Hütten über die Tauplitz Schachtzone und das Himmelreich zum Schachteingang auf. Das bisherige Höhlenende war rasch erreicht und es konnte mit der weiteren Erkundung begonnen werden. An dieser Stelle setzt ein großer, insgesamt 53 m tiefer sehr nasser Direktschacht an.
Der 53 m-Schacht. Foto: R. Seebacher
Gang mit kleinem See. Foto: R. Seebacher
Am Beginn musste eine Querung eingerichtet werden, um dem starken Tropfenfall auszuweichen. Vom geräumigen Schachtboden führt ein kurzer, niederer Gang mit einem kleinen See in Richtung Norden bis zu einem Versturz. An der Westseite des Schachtbodens war es aber möglich durch ein rund 2 m hohes Fenster in einen weiteren, großen Schlot- Schachtraum zu gelangen. Hier war starker Luftzug bemerkbar, was auf bedeutende Fortsetzungen hinweist. Der nächste Schachtabstieg ist mindestens 25-30 m tief und sehr nass. Aus diesem Grund wurde die Tour in einer Tiefe von über 100 m abgebrochen. Die weitere Erforschung ist bei stabiler und trockener Wetterlage geplant.

Insgesamt konnte der Blanke-Schacht auf eine Länge von 202 m bei einer Tiefe von 108 m erforscht und vermessen werden.
Am Rückweg bei ca. -100 m. Foto: R. Seebacher

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Erforschung von zwei neuen Schächten im Bereich des Ozonloches

Blick zurück zur Tauplitzalm und zum Grimming. Foto: R. Seebacher
Am 05.10.2017 unternahmen Christian Huber und Robert Seebacher eine Tour ins Hochkarstgebiet des Toten Gebirges „In den Karen“. Ziel war die Erforschung eines noch unbearbeiteten Schachtes nördlich des Ozonloches (DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem). Der Einstieg liegt auf über 2000 m Seehöhe und befindet sich direkt über einem Schlot des kleinen Horizontalsystems im Ozonloch. Da sich dieser Höhlenteil nur rund 50 m unter der Oberfläche befindet, wurde die Möglichkeit einer Verbindung in Betracht gezogen. Der Schacht hat einen kluftförmigen Einstieg und bricht senkrecht 27 m auf einen Schneeboden ab. Leider konnten keine weiterführenden Fortsetzungen gefunden werden. Unter dem Schnee war ein Versturzboden auszunehmen. Es kann daher angenommen werden, dass auch das Abschmelzen des Schnees keine weitere Fortsetzung freigeben wird. Somit konnte die Erforschung des Schachtes rasch abgeschlossen werden. Große Schwierigkeiten beim Schachteinbau bereiteten die verwendeten Segmentanker der Marke „Sympafix“. Aus diesem Grund erhielt die Höhle den Namen Sympakruzifix-Schacht (1625/553) Die Vermessung ergab eine Gesamtlänge von 40 m bei einer Niveaudifferenz von 30 m.
Der Sympakruzifix-Schacht. Foto: C. Huber
Da noch reichlich Zeit vorhanden war widmete man sich noch der Erforschung einer weiteren Höhle in diesem Areal. Unweit südwestlich des Ozonloches befindet sich ein kleiner stark bewetterter Kluftschacht. Auch hier wurde ein möglicher Zusammenhang mit dem DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem vermutet. Nach einem 18 m tiefen Einstiegsschacht führt die Höhle als schmale Kluft horizontal weiter, um nach rund 10 m an einer nur 10 cm breiten Engstelle zu enden. Hier war sehr starker Luftzug bemerkbar, der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich aus den nur wenige Zehnermeter entfernt gelegenen Teilen des Ozonloches stammt. Eine Verbindung konnte aber auch hier nicht realisiert werden.
Eingang des Ozongebläses. Foto: C. Huber
Insgesamt wurde die auf Ozongebläse (1625/554)getaufte Höhle auf 34 m Länge und 18 m Tiefe dokumentiert.

Freitag, 20. Oktober 2017

Wieder eine neue Höhle am Tauplitzalmplateau

Im Herbst 2017 widmete man sich intensiv einer im Winter immer freigeblasenen Stelle in der Nähe des Hemernbodens unweit der Zettler-Hütte auf der Tauplitzalm. In insgesamt 4 mehrstündigen Räumaktionen gelang es Christian Huber und Robert Seebacher, den Zugang zu einer neuen Höhle zu öffnen.
Der freigeräumte Eingang des Herbstloches. Foto: R. Seebacher
Erweiterte Engstelle unmittelbar nach dem Eingang. Foto: R. Seebacher
Hinter einer erweiterten Engstelle befindet sich ein kleinräumiger Gang, der bald in einen sehr schmalen Canyon übergeht. Nach der Erweiterung und Überwindung einer weiteren Engstelle gelang es noch ein paar Meter vorzudringen. Leider folgt bald eine unüberwindbare Verengung, welche der Erforschung des deutlich bewetterten Objektes ein jähes Ende setzte.
Das Herbstloch weist teilweise sehr schöne Raumformen auf. Foto: R. Seebacher
Insgesamt war es möglich in einer 5. Tour die auf Herbstloch (1622/85) getaufte Höhle auf 37 m Länge bei einer Niveaudifferenz von 8 m zu vermessen und zu dokumentieren.

Samstag, 30. September 2017

Bereits 5. Forscherlager im Bereich der Plankermira im August 2017.

Im August 2017 fand das traditionelle Forscherlager des Vereines für Höhlenkunde in Obersteier (VHO) bereits zum fünften Mal im Gebiet der Plankermira im Südostmassiv des Toten Gebirges statt.
Der Aufstieg zum Basislager in 2040 m Seehöhe erfolgte am 12. August. Witterungsbedingt musste leider bereits am 18. August wieder abgestiegen werden. Dennoch war die Woche sehr erfolgreich.
Es nahmen insgesamt 8 Höhlenforscherinnen und Höhlenforscher daran teil (Heidrun André, Ernest Geyer, Andreas Glitzner, Peter Jeutter, Robin Jeutter, Rebecca Lawson, Pauline Oberender und Robert Seebacher). 

Das Team am Tag des Aufstieges in der Ödernalm. Von links nach rechts:
Rebecca Lawson, Pauline Oberender, Robert Seebacher, Peter Jeutter, Andreas Glitzner,
Heidirun André, Robin Jeutter. Foto: R. Seebacher
Am Beginn des Lagers stand eine viertägige Biwaktour in die Wildbaderhöhle (1625/150) auf dem Programm (Teilnehmer: Heidrun André, Andreas Glitzner, Rebecca Lawson, Pauline Oberender und Robert Seebacher). Ziel der Tour war die weitere genaue Erforschung und Dokumentation des Tiefensystems der Höhle. In diesem vorwiegend vertikal entwickelten Höhlenteil stießen die französischen Forscher in den 1980er-Jahren in rund 850 m Tiefe auf einen riesigen, fossilen Gangabschnitt. Die Vermessung der Schächte wurde damals aber aufgrund der schwierigen Verhältnisse bereits in rund 650 m Tiefe abgebrochen. Auch der Gang blieb bis dato unvermessen.
Das VHO-Team biwakierte im Horizontalteil in 400 m Tiefe, wo schon im Vorjahr ein geeigneter Platz im Ostsystem eingerichtet werden konnte.

Der große Gang in der Tiefe der Wildbaderhöhle rund 880 m unter dem Eingang. Foto: R. Seebacher
Trotz ziemlich großer Wasserführung in den Schächten gelang es einem Dreierteam mit Hilfe von Neoprenanzügen das Schachtsystem vollkommen einzubauen und zu vermessen. Ein Glücksfall war die Entdeckung einer Parallelstrecke zwischen – 706 m und – 770 m. Dadurch war die „trockene“ Umgehung zweier besonders nasser Schachtstufen möglich. In einer Tiefe von 840 m mündet das Schachtsystem in eine große Halle. Total durchnässt und durchgefroren beendete das Team hier die Vermessung am Beginn einer beeindruckenden, in 2 Richtungen führenden, fossilen Passage. Der letzte Messpunkt befindet sich 870 m unter dem Eingang. Insgesamt konnten 220 m unter schwierigsten Verhältnissen vermessen werden. Bei der Erkundung des Ganges konnte bis zum bisher tiefsten, bekannten Punkt der Höhle abgestiegen werden. Dieser liegt etwa 890 – 900 m unter dem Eingang. Dieser Wert muss aber noch bei der nächsten Tour durch eine genaue Vermessung bestätigt werden. Es gilt aber als bewiesen, dass die Wildbaderhöhle deutlich tiefer, als die von den französischen Forschern angegebenen 874 m ist. Weiters besteht die Möglichkeit, über ein in rund 15 m Höhe gesichtetes Wandfenster, bzw. durch Graben in den beiden mit Lehm und Sand verstopften Enden des Ganges Neuland zu entdecken.
Schön dekoriertes Neuland in der Wildbaderhöhle. Foto: R. Seebacher
Im Horizontalsystem in 400 m Tiefe konnte ein Aufstieg in eine Halle erschlossert werden. Ein schön mit Tropfsteinen dekorierter Gang führt von dort in Richtung Osten bis zu einer Schachtquerung. Hier konnten weitere 153 m vermessen werden.

Peter und Robin Jeutter widmeten sich währenddessen der weiteren Erforschung und genauen Vermessung  der Eishöhle, Gouffre de la Glacier (1625/407, VL 96 m) und des Großer Polterschachtes (1625/125, VL 59 m). In beiden Objekten mussten noch mehrere unbearbeitete Fortsetzungen zurückgelassen werden. Weiters gelang die Entdeckung und Dokumentation der Schachthöhle Fleischwolf (1625/552, GL 19 m).
 
Herrlicher Sternenhimmel. Foto: R. Seebacher
Eine Tagestour mit 2 Teams führte erneut in die Wildbaderhöhle. Hier konnte ein in -93 m Tiefe ansetzendes Schachtsystem neu vermessen und genau dokumentiert werden (R. Lawson und P. Oberender; 131 m). Der unschliefbare Endpunkt liegt 190 m unter dem Eingang.
Das zweite Team (H. André, A. Glitzer und R. Seebacher) bauten eine Pendelquerung zu einem noch unerforschten Schachtfenster im Germanenschacht ein. Die Fortsetzung führte rasch in eine chaotische Versturzzone, durch die der Aufstieg zurück in die Gr. Galerie (-120 m) gelang. Dort widmete man sich der Suche nach einer Fortsetzung dieser. Die starke Wetterführung verschwindet hier in einem großen Versturz. Durch einen verwinkelten Schluf konnte schließlich eine Umgehung des Versturzes entdeckt werden. Dahinter führt der Gang mit großen Dimensionen über 100 m in Richtung Nordosten bis zu einem neuerlichen, unüberwindbaren Versturz. Kurz davor befindet sich aber noch ein unerforschter, stark bewetterter Schacht. Dieses Team konnte an diesem Tag insgesamt 331 m Neuland vermessen.
Fortsetzung der Gr. Galerie. Foto: R. Seebacher
Es ergibt sich somit  für die Wildbaderhöhle ein Neuvermessungslänge von  835 m, wodurch sich die Gesamtlänge auf 8754 m erhöhte.

Am Ende der Forscherwoche konzentrierten sich die Arbeiten auf das Gebiet südöstlich des Hochweiß-Gipfels (2158 m). Hier wurde mit der Erforschung des im Vorjahr entdeckten Echocanyons (1625/545) begonnen (P. Oberender, R. Seebacher). Nach einer geräumigen mit Eis bedeckten Halle folgt ein kleiner Schacht und ein enger Canyon. Dahinter gelang die Entdeckung eines sehr tiefen, trockenen Schachtes. Leider versperrt ein großer Felsblock den Einstieg. Trotz mehrstündiger Arbeit konnte der Einstieg noch nicht geöffnet werden. So musste die Erforschung es mindestens 100 m tiefen, deutlich bewetterten Schachtes also auf das nächste Jahr verschoben werden. Hier besteht die berechtigte Hoffnung, in die unweit darunter liegenden, westlichsten Ausläufer der Wildbaderhöhle gelangen zu können. Dadurch würden sich die Anmarschwege in diese hoch interessanten Teile beträchtlich verkürzen. Die vermessene Gesamtlänge des Echocanyons beträgt vorläufig 86 m bei einer Tiefe von 40 m.
Weiter westlich konnte das Hirsekäferloch (1625/551) mit 29 m Länge vollständig erforscht und vermessen werden.
Im Echocanyon. Foto: R. Seebacher
Insgesamt gelang es beim Forscherlager „Plankermira 2017“ mehr als 1,1 km an Höhlenpassagen neu zu vermessen. Aufgrund zahlreicher, noch vorhandener Fortsetzungen ist auch für das Jahr 2018 eine Forscherwoche in diesem tollen Gebiet geplant.
Der gemütliche Abschluss der Woche fand wieder in der Ödernalm mit Bratl, Bier und Kaiserschmarrn statt.
Gemütlicher Abschluss in der Ödernalm.
Danke an alle, die zum Gelingen dieses erfolgreichen Forscherlagers beigetragen haben. Ein besonderer Dank gebührt folgenden Personen und Institutionen: Öderer Almgenossenschaft, Österr. Bundesforste AG, Tauplitz Alpgenossenschaft sowie Renate und Albert Sonnleitner von der Steinbrecherhütte.

Donnerstag, 31. August 2017

Sommergaudi im Liglloch

Am 23. August wurde für das Kinder-Ferienprogramm der Marktgemeinde Bad Mitterndorf (Sommergaudi) eine Exkursion ins Liglloch durchgeführt. Dabei konnte eine kleine, aber sehr interessierte Gruppe über Höhlen, Karst und Geschichte informiert werden.
Fünf Nachwuchsforscher im Eingangsbereich des Liglloches. Foto: R. Seebacher

Blick aus dem Eingangsportal des Liglloches. Foto: R. Seebacher 

Sonntag, 30. Juli 2017

Rund um den Sagtümpel

Im Mai fand eine Exkursion mit einer Klasse der Neuen Mittelschule Bad Mitterndorf zur renaturierten Riesenkarstquelle Sagtümpel statt.
Schülerinnen und Schüler der Neuen Mittelschule Bad Mitterndorf. Vielen Dank Frau Gerti Sulzbacher für die Idee. Foto: R. Seebacher
Der glasklare Quelltopf des Sagümpels. Foto: R. Seebacher
Weiters wurde im Juli durch das Ausseer Regionalfernsehen (ARF) ein Bericht über die Quelle gedreht und anschließend ausgestrahlt.
Trotz Regenwetters erfolgte eine weitere Exkursion mit Kindern im Rahmen des Sommerprogrammes der Marktgemeinde Bad Mitterndorf.

Das Team des ARF in "Action". Foto: R. Seebacher

Samstag, 22. Juli 2017

Voodoo-Canyon nun über 4 km lang

Von 13.-16. Juli 2017 unternahmen die VHO-Mitglieder Heidrun André (D), Andreas Glitzner (A), Rebecca Lawson (GB), Pauline Oberender (A) und Robert Seebacher (A) eine 69-stündige Tour in den Voodoo-Canyon (1543/225) am Dachstein. Am ersten Tag erfolgte der Abstieg bis ins Fakir-Biwak, welches 235 m unter dem Eingang gelegen, wieder den Stützpunkt für die gesamte Tour darstellte. Um zum Eingang zu gelangen, musste vom Hallstätter-Gletscher aus erneut die rund 130 m hohe Abseilstrecke durch die Dachstein-Südwand eingerichtet werden.

Der Zustieg erfolgt über den Hallstätter-Gletscher. Foto: R. Seebacher
Das Fakir-Biwak. Foto: R. Seebacher
Am zweiten Tag erfolgte der Abstieg zur Voodoo-Master-Halle in 600 m Tiefe. Dort wartete die Fertigstellung des bei der letzten Tour begonnenen Aufstieges zu einem Gangfenster. Während ein Team (Andreas, Rebecca und Pauline) diese Aufgabe übernahm, stiegen Heidi und Robert 220 m weiter oben in einen noch unerforschten Canyon ab. Wie bereits aufgrund der Messdaten vermutet, konnte hier nach rund 50 m die Verbindung zu bereits bekannten Höhlenteilen hergestellt werden. Nachdem diese Strecke vermessen und gleich wieder ausgebaut wurde, traf sich das gesamte Team in der Voodoo-Master-Halle.
Einer der zahlreichen Canyon-Abstiege in Richtung Voodoo-Master-Halle.
Foto: R. Seebacher
Blick durch das erkletterte Fenster in Richtung Voodoo-Master-Halle.
Foto: R. Seebacher
Das Gangfenster war rasch erreicht. Leider setzte sich die Höhle dahinter aber als weiter steil ansteigender Canyon fort und weitere Kletterstellen mussten überwunden werden. Nach einem letzten technischen Aufstieg von 15 m gelang es schließlich den Boden eines riesigen, weit über 80 m hohen Schachtraumes zu erreichen. Hier schien die Tour ihr Ende zu nehmen. Lautes Wasserrauschen führte aber dann zur Entdeckung eines engen, abzweigenden Canyons. Dieser mündet in ein wieder nach unten ziehendes, leicht wasserführendes Schachtsystem. Das starke Wasserrauschen ist hier aus einem weiter nach oben führenden Canyon zu vernehmen. 

Neu entdeckter, riesiger Schachtraum. Foto: R. Seebacher

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit musste die Tour an dieser Stelle abgebrochen werden und das Team stieg aufgrund der schönen Entdeckung guten Mutes wieder bis zum Biwak auf.

Am nächsten Tag erfolgte schließlich die Erforschung des neuen Schachtsystems. Mit schönen, bis zu 30 m tiefen Stufen führt dieser Höhlenteil in die Tiefe. Die Hoffnung war groß, den Versturz der Voodoo-Master-Halle auf diesem Wege umgehen zu können um weiter in Richtung Südwandhöhle vorzudringen. Leider teilt sich die Passage aber nach rund 100 m in einer Gesamttiefe von 610 m in zwei enge Äste. Eine Passage ist durch einen Versturz blockiert, die andere endet in einem sehr kleinen Siphon. 

Einrichten einer Umsteigstelle im neuen Schachtsystem. Foto: R. Seebacher

Enttäuscht stieg das Team wieder auf und widmete sich nun dem Canyonaufstieg in Richtung Wasserrauschen. Hier war es notwendig, über 20 m durch teilweise enge und lehmige Passagen aufzuklettern. Schließlich konnte erneut der Boden eines großen Schachtes erreicht werden. Der durch den Schacht herabstürzende Bach verschwindet hier leider in einer engen Spalte. Ein weiteres Schachtsystem nach unten konnte also nicht gefunden werden.

In der Zwischenzeit hatte es rund 20 cm geschneit, wodurch der Aufstieg
durch die Südwand erschwert wurde. Foto: R. Seebacher
Es gelang bei diesen aufwändigen Forschungen 420 m, großteils schwieriges Neuland zu erkunden und zu vermessen. Die dokumentierte Gesamtlänge des Voodoo-Canyons stieg auf 4354 m, die Niveaudifferenz blieb mit +- 723 m unverändert.
Die erhoffte Tiefenfortsetzung konnte zwar gefunden werden, leider endet diese aber frühzeitig. Eine Fortsetzung in Richtung Südwandhöhle dürfte in diesem Bereich nicht bestehen. Es bleibt nun nur noch den Versturz in der Voodoo-Master-Halle nochmals genauer abzusuchen, bzw. viel höher in der Höhle nach Fortsetzungen zu suchen.
Herzlichen Dank den Planai-Hochwurzen-Bahnen für die logistische Unterstützung.




Donnerstag, 23. März 2017

Weiterer Arbeitseinsatz in der Bullenhöhle

Im End-Lehmsiphon der Bullenhöhle auf der Tauplitzalm konnte zwar leider noch immer kein Durchbruch erzielt werden, die letzte Aktion lässt aber hoffen.

Rast in 180 m Tiefe. Foto: R. Seebacher
Am 20. März 2017 unternahmen Thomas Bayn, Daniel Haas, Axel Hack und Robert Seebacher eine insgesamt 12-stündige Tour in diese interessante Höhle. Die aufwändigen Räumarbeiten am momentanen Höhlenende wurden fortgesetzt. Dazu musste der ausgegrabene Lehm in Etappen etwa 20 m durch einen Schluf bis in eine kleine Halle transportiert werden. Insgesamt gelang es dabei zwei weitere Meter in die deutlich bewetterte Passage vorzudringen. Vom erreichten Endpunkt steigt der Gang nun steiler und wieder größer werdend an, was auf ein baldiges Ende der Lehmverfüllung hoffen lässt. Nebenbei konnte unter einem im Lehm steckenden Stein ein Höhlen-Pseudoskorpion entdeckt werden.