Samstag, 22. Juli 2017

Voodoo-Canyon nun über 4 km lang

Von 13.-16. Juli 2017 unternahmen die VHO-Mitglieder Heidrun André (D), Andreas Glitzner (A), Rebecca Lawson (GB), Pauline Oberender (A) und Robert Seebacher (A) eine 69-stündige Tour in den Voodoo-Canyon (1543/225) am Dachstein. Am ersten Tag erfolgte der Abstieg bis ins Fakir-Biwak, welches 235 m unter dem Eingang gelegen, wieder den Stützpunkt für die gesamte Tour darstellte. Um zum Eingang zu gelangen, musste vom Hallstätter-Gletscher aus erneut die rund 130 m hohe Abseilstrecke durch die Dachstein-Südwand eingerichtet werden.

Der Zustieg erfolgt über den Hallstätter-Gletscher. Foto: R. Seebacher
Das Fakir-Biwak. Foto: R. Seebacher
Am zweiten Tag erfolgte der Abstieg zur Voodoo-Master-Halle in 600 m Tiefe. Dort wartete die Fertigstellung des bei der letzten Tour begonnenen Aufstieges zu einem Gangfenster. Während ein Team (Andreas, Rebecca und Pauline) diese Aufgabe übernahm, stiegen Heidi und Robert 220 m weiter oben in einen noch unerforschten Canyon ab. Wie bereits aufgrund der Messdaten vermutet, konnte hier nach rund 50 m die Verbindung zu bereits bekannten Höhlenteilen hergestellt werden. Nachdem diese Strecke vermessen und gleich wieder ausgebaut wurde, traf sich das gesamte Team in der Voodoo-Master-Halle.
Einer der zahlreichen Canyon-Abstiege in Richtung Voodoo-Master-Halle.
Foto: R. Seebacher
Blick durch das erkletterte Fenster in Richtung Voodoo-Master-Halle.
Foto: R. Seebacher
Das Gangfenster war rasch erreicht. Leider setzte sich die Höhle dahinter aber als weiter steil ansteigender Canyon fort und weitere Kletterstellen mussten überwunden werden. Nach einem letzten technischen Aufstieg von 15 m gelang es schließlich den Boden eines riesigen, weit über 80 m hohen Schachtraumes zu erreichen. Hier schien die Tour ihr Ende zu nehmen. Lautes Wasserrauschen führte aber dann zur Entdeckung eines engen, abzweigenden Canyons. Dieser mündet in ein wieder nach unten ziehendes, leicht wasserführendes Schachtsystem. Das starke Wasserrauschen ist hier aus einem weiter nach oben führenden Canyon zu vernehmen. 

Neu entdeckter, riesiger Schachtraum. Foto: R. Seebacher

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit musste die Tour an dieser Stelle abgebrochen werden und das Team stieg aufgrund der schönen Entdeckung guten Mutes wieder bis zum Biwak auf.

Am nächsten Tag erfolgte schließlich die Erforschung des neuen Schachtsystems. Mit schönen, bis zu 30 m tiefen Stufen führt dieser Höhlenteil in die Tiefe. Die Hoffnung war groß, den Versturz der Voodoo-Master-Halle auf diesem Wege umgehen zu können um weiter in Richtung Südwandhöhle vorzudringen. Leider teilt sich die Passage aber nach rund 100 m in einer Gesamttiefe von 610 m in zwei enge Äste. Eine Passage ist durch einen Versturz blockiert, die andere endet in einem sehr kleinen Siphon. 

Einrichten einer Umsteigstelle im neuen Schachtsystem. Foto: R. Seebacher

Enttäuscht stieg das Team wieder auf und widmete sich nun dem Canyonaufstieg in Richtung Wasserrauschen. Hier war es notwendig, über 20 m durch teilweise enge und lehmige Passagen aufzuklettern. Schließlich konnte erneut der Boden eines großen Schachtes erreicht werden. Der durch den Schacht herabstürzende Bach verschwindet hier leider in einer engen Spalte. Ein weiteres Schachtsystem nach unten konnte also nicht gefunden werden.

In der Zwischenzeit hatte es rund 20 cm geschneit, wodurch der Aufstieg
durch die Südwand erschwert wurde. Foto: R. Seebacher
Es gelang bei diesen aufwändigen Forschungen 420 m, großteils schwieriges Neuland zu erkunden und zu vermessen. Die dokumentierte Gesamtlänge des Voodoo-Canyons stieg auf 4354 m, die Niveaudifferenz blieb mit +- 723 m unverändert.
Die erhoffte Tiefenfortsetzung konnte zwar gefunden werden, leider endet diese aber frühzeitig. Eine Fortsetzung in Richtung Südwandhöhle dürfte in diesem Bereich nicht bestehen. Es bleibt nun nur noch den Versturz in der Voodoo-Master-Halle nochmals genauer abzusuchen, bzw. viel höher in der Höhle nach Fortsetzungen zu suchen.
Herzlichen Dank den Planai-Hochwurzen-Bahnen für die logistische Unterstützung.




Donnerstag, 23. März 2017

Weiterer Arbeitseinsatz in der Bullenhöhle

Im End-Lehmsiphon der Bullenhöhle auf der Tauplitzalm konnte zwar leider noch immer kein Durchbruch erzielt werden, die letzte Aktion lässt aber hoffen.

Rast in 180 m Tiefe. Foto: R. Seebacher
Am 20. März 2017 unternahmen Thomas Bayn, Daniel Haas, Axel Hack und Robert Seebacher eine insgesamt 12-stündige Tour in diese interessante Höhle. Die aufwändigen Räumarbeiten am momentanen Höhlenende wurden fortgesetzt. Dazu musste der ausgegrabene Lehm in Etappen etwa 20 m durch einen Schluf bis in eine kleine Halle transportiert werden. Insgesamt gelang es dabei zwei weitere Meter in die deutlich bewetterte Passage vorzudringen. Vom erreichten Endpunkt steigt der Gang nun steiler und wieder größer werdend an, was auf ein baldiges Ende der Lehmverfüllung hoffen lässt. Nebenbei konnte unter einem im Lehm steckenden Stein ein Höhlen-Pseudoskorpion entdeckt werden.

Sonntag, 19. März 2017

Neue Großhöhle am Tauplitzalmplateau

Der freigeblasene Eingang im Februar 2017. Foto: R. Seebacher
Am 20.12.2016 unternahm Robert Seebacher eine Forschungstour in die Hochklammhöhle am Südrand des Tauplitzalmplateaus. Nach der Auffahrt mit der 4er-Sesselbahn erfolgte der Zustieg mit Tourenschi zum Eingang. Erstes Ziel war ein Versturz am Grund eines Schachtes südlich des Guggendoms. Hier konnte aber ohne zusätzliches Werkzeug kein Durchbruch erzielt werden. Kleine  Steine fallen jedoch bereits in einen darunter liegenden Raum.

Abstieg durch die vergrößerte Engstelle.
Anschließend wurde der Schacht ausgebaut und mit dem Seil ein kleiner Abstieg hinter dem Guggendomversturz eingebaut. Auf dessen Grund befindet sich eine senkrechte Engstelle, durch die ein darunterliegender größerer Raum einsehbar war. Mit Treibkeilen konnte ein sperrender Block und eine Felsnase entfernt werden, wodurch der Abstieg gelang. Die Vermessung des scheinbar fortsetzungslosen Raumes erbrachte 23 m, wodurch die Hochklammhöhle auf über 500 m Länge kletterte und dadurch zur Großhöhle wurde.
Im Zubringercanyon zum Weihnachsgeschenk.
Die Freude über die neue Großhöhle wurde aber vorerst durch das Fehlen einer weiteren Fortsetzung getrübt. Bei einer abschließenden, nochmaligen genauen Inspektion konnte eine sehr enge, senkrecht nach oben führende Spalte gefunden werden. Bei der Erkundung der schwierigen Fortsetzung war es möglich in einen weiterführenden gerade nach Norden ziehenden Canyon zu gelangen. Die Passage wurde spontan „Weihnachtsgeschenk“ getauft. Nach rund 30 m und einer weiteren Engstelle mündet der Canyon unvermittelt in einen großen querverlaufenden Gang mit 3-5 m Breite und 2-8 m Höhe. Dieser teilweise schön versinterte Gang ist rund 100 m lang und endet nach oben an einem Versturz, bzw. nach unten an einem Lehmsiphon.

Eine am 12.02.2017 durchgeführte Vermessung und weiter Erforschung dieses Höhlenteiles durch Heidrun André und Robert Seebacher erbrachte schließlich 152 m Länge.

Die vermessene Gesamtganglänge der Hochklammhöhle kletterte dadurch auf  668 m. Sie ist also nicht nur zur Großhöhle geworden sondern nun auch vor der Bullenhöhle zur längsten Höhle im Bereich des Tauplitzalmplateaus. 
Schöne Gangprofile im neuen Höhlenteil. Foto: R. Seebacher

Dienstag, 30. August 2016

Forscherlager „Plankermira IV“ im August 2016

Erneut fand 2016 das traditionelle Forscherlager des VHO im Gebiet der Plankermira im Südostmassiv des Toten Gebirges statt. In diesem Jahr erstreckte sich die Forscherwoche von 13. bis 20. August, wobei insgesamt 8 Höhlenforscherinnen und Höhlenforscher daran teilnahmen (Heidrun André, Jutta Brandmeier, Andreas Glitzner, Peter Jeutter, Robin Jeutter, Pauline Oberender, Franz Schmidt und Robert Seebacher).
Das Team beim Aufstieg zum Basislager. Foto: R. Seebacher
Zu Beginn der Woche war eine vier-bis fünftägige Biwaktour in die Wildbaderhöhle (1625/150) geplant (Teilnehmer: Heidrun André, Andreas Glitzner, Pauline Oberender und Robert Seebacher). Ziel der Tour wäre das aktive Tiefensystem gewesen. Leider ließen die äußerst unsichere Wetterlage und die allgemein hohe Schüttung keinen Abstieg zu. Stattdessen wich das Team spontan auf das Ostsystem der Höhle aus. Hier konnte in rund 400 m Tiefe ein optimaler Biwakplatz gefunden und eingerichtet werden.
Der gemütliche neue Biwakplatz im Ostsystem der Wildbaderhöhle. Foto: R. Seebacher
Drei Forschungstouren führten von dort an die so genannte Ostfront, wo eine Schachtquerung eingebohrt wurde. Dahinter war es möglich, 445 m teils schwieriges Neuland zu vermessen. Die neu erforschten Teile ziehen wieder nach Westen, zurück in Richtung Erwin-Hüttner-Dom; eine Verbindung konnte hier aber knapp noch nicht hergestellt werden.
Schachtquerung an der "Ostfront". Foto: R. Seebacher
Neu entdeckte Gangpassagen in Richtung Westen. Foto: R. Seebacher
An der "Ostfront". Foto: R. Seebacher
Am östlichsten Punkt erbrachte die Einrichtung einer weiteren, schwierigen Schachtquerung den Zugang zu einer stark bewetterten, ostziehenden Fortsetzung. Diese Stelle ist momentan die Aussichtsreichste Fortsetzung in Richtung Osten. Die Vermessung eines im Vorjahr erkletterten Schlotes erbrachte weitere 32 m Länge.
Am dritten Forschungstag konnte im Bereich des Notbiwaks am Ansatz zum Tiefensystem der Zugang zu einem großen, steil nach oben ziehenden Gang entdeckt werden. Dieser Teil wurde in den 1980er-Jahren bereits von französischen Höhlenforschern grob erkundet. Ein riesiger Versturz am oberen Ende des bis zu 15 m breiten und 10 m hohen Ganges stellte das damalige Forschungsende dar. Uns gelang jedoch die Überwindung dieses Hindernisses. Hinter dem Versturz setzt sich der Gang großräumig weiter steil nach oben fort und konnte noch ein Stück bis zu einer ohne Bohrmaschine unüberwindbaren Kletterstelle verfolgt werden. Die Vermessung dieses Höhlenabschnittes erbrachte weitere 240 m. Somit konnten in der Wildbaderhöhle insgesamt 717 m neu vermessen werden. Die Gesamtlänge erhöhte sich dadurch auf knapp 8,2 km.

Am 18. August konnte die nur rund 50 m vom Oberflächenbiwak entfernt gelegene Schachthöhle „Faultier“ (1625/544) erforscht und vermessen werden. Dazu musste zuerst ein großer, sperrender Block am Eingang mit Treibkeilen zerlegt und entfernt werden. Von dort gelang der Abstieg in einen schönen Schacht. Mit Stufen von 9 m, 35 m, und 6 m führt die leicht bewetterte Höhle bis in 64 m Tiefe. Dort war an einer unüberwindbaren Engstelle aber leider Schluss. Insgesamt konnte das Faultier auf 78 m Gesamtlänge vermessen werden. Die Überwindung der Engstelle am Tiefsten Punkt scheint mit etwas Aufwand durchaus möglich.
Am Eingang der Schachthöhle "Faultier". Foto: R. Seebacher
Abstieg in den 35 m-Schacht im Faultier. Foto: R. Seebacher
Am Ende der Forscherwoche konzentrierten sich die Arbeiten auf das Gebiet südöstlich des Hochweiß-Gipfels (2158 m). Hier konnten mehrere aussichtsreiche Objekte neu entdeckt und teilweise erkundet werden. Der beeindruckende Echocanyon (1625/545) wurde auf rund 50 m Länge befahren und im Höhlenkataster aufgenommen. Weiters wurde mit der Vermessung der stark bewetterten Augensteinhöhle (1625/175) begonnen. In einer langen Tour gelang es die bisher undokumentierten Horizontalteile vom Eingang bis zum Schachtsystem aufzunehmen.
Im Horizontalteil der Augensteinhöhle. Foto: R. Seebacher
Weiters erfolgte der Abstieg durch den 60m-Direktschacht und den 30 m tiefen Kluftschacht bis zu einem Versturz in 127 m Tiefe. Leider konnte in diesem Höhlenteil keine weitere Fortsetzung entdeckt werden. Dennoch wurden diese Teile neu vermessen, wodurch sich für die Augensteinhöhle eine Gesamtlänge von 260 m ergibt. Die aussichtsreichste Fortsetzung stellt ein Schlot am Ende des Horizontalteiles dar. Es scheint, dass die gesamte Wetterführung von dort kommt.
Der 60 m-Schacht in der Augensteinhöhle. Foto: R. Seebacher
Alles in Allem konnten in dieser Woche, 1055 m an Höhlenpassagen neu aufgenommen werden. Das weiter vorhandene, sehr große Potenzial motivierte die Teilnehmer auch für das Jahr 2017 eine Forscherwoche in diesem hoch interessanten Gebiet zu planen.
Nach dem anstrengenden Abstieg fand die Forscherwoche in der Steinbrecherhütte traditionsgemäß bei Bratl und Bier einen gemütlichen Ausklang.
Das Forschungsteam nach der erfolgreichen Tour in die Augensteinhöhle. Foto: R. Seebacher
Gedankt sei allen, die uns zur Durchführung des Forscherlagers unterstützt haben. Besonderer Dank gebührt wieder folgenden Personen und Institutionen: Öderer Almgenossenschaft, Österr. Bundesforste AG, Tauplitz Alpgenossenschaft sowie Renate und Albert Sonnleitner von der Steinbrecherhütte.

Donnerstag, 11. August 2016

Kinderführung ins Liglloch


Für das Ferienprogramm der Gemeinde Bad Mitterndorf ("Sommergaudi") wurde am 10.08.2016 eine Führung ins Liglloch bei Tauplitz durchgeführt. Trotz starken Regens nahmen 23 Kinder daran teil.

Ein Dankeschön an Mario Seebacher für die anschließende freundliche Versorgung in der Pfannerhütte.



Betreuerteam und Höhlenführer des VHO: Sepp Hasitschka, Robert und Sebastian Seebacher, sowie Johann Stieg.

Dienstag, 9. Februar 2016

Teilerfolg im Endlehmsiphon der Bullenhöhle

Bei zwei langen Arbeitseinsätzen im Oktober 2015 und im Jänner 2016 gelang es den 180 m unter dem Eingang gelegene End-Lehmsiphon der Bullenhöhle zu öffnen. Dazu war es notwendig zwei große Blöcke mittels Treibkeilen zu zerlegen und mehrere Kubikmeter Lehm aus der Fortsetzung zu schaffen.

Nachdem der Lehmsiphon geöffnet wurde, setzte sogleich deutliche Wetteführung ein. Hinter einem ersten Sunk konnte bis in eine kleine Kammer vorgedrungen werden. Dort führt der Gang wieder nach unten und ist wieder fast zur Gänze mit Lehm verfüllt. Hier konnten etwa 3 m dieses Ganges freigelegt werden. Ob es hier möglich ist, zum Sammler des Tauplitzalm-Aquifers vorzudringen, wird sich bei der nächsten Tour zeigen.

Die Gesamtlänge der Bullenhöhle stieg durch diese Unternehmungen geringfügig auf 591 m.
Teilnehmer Oktober 2015: Christian Huber, Robert Seebacher 
Teilnehmer Jänner 2016: Andreas Glitzner, Christian Huber, Christian Knobloch, Iris Koller, Robert Seebacher

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Forscherlager am Woising

Das 2015er Spätsommer-Forschungslager am Woising hat von 29. August bis 06. September stattgefunden. Teilnehmer waren Uwe Kalmbach und Markus Kreuß (beide VHO) sowie Sebastian Heiland (Salzburg).
Bei strahlendem Sonnenschein sind wir am Samstag über das Appelhaus ins Biwak aufgestiegen. Erwartet hat uns eine überraschend sonnige und warme Biwakwoche, in die es nur gegen Ende etwas hineingeregnet hat. Auf dem Programm standen eine Oberflächentour sowie die Weiterforschung an den zahlreichen offenen Fortsetzungen in den Höhlen. Nachdem wir im letzten Jahr den lange ersehnten Zusammenschluss der beiden größten Höhlen (Nervensystem, Hochdruckblasi) feiern konnten, führte uns diesmal praktisch jede Tour ins „Woisinghöhlensystem“.
Die erste Tour führte in den 2013 gefundenen und Blasi2 getauften Bereich, welcher zahlreiche und große offene Fortsetzungen aufweist. Hier haben wir am letztjährigen Ende einen Schacht queren und den Weiterweg erforschen können. Leider enden alle der fünf Fortsetzungen in zu engen Klüften oder verlehmten Röhren und so haben wir auf dem Rückweg alle Seile wieder ausgebaut. Der starke Luftzug geht in eine Kluft, die wir am Beginn dieses Höhlenteils noch einsehen können und uns aus Zeitmangel für eine der kommenden Touren aufheben wollen.
Die zweite Tour haben wir bei strahlendem Sonnenschein genutzt, um einige große Oberflächenschächte in Richtung Woisinggipfel anzuschauen. Diese Schächte liegen direkt über den Tag fernen Teilen unseres Höhlensystems. Der erste endete auf  ca. -50 m durch Eisverschluss. Der zweite war wirklich beeindruckend mit einer 50 Meter tiefen schrägen Eiswand, die sich weiter in großer Dimension in die Tiefe zieht. Wegen extrem akuten Steinschlags (durch die Tageshitze freigeschmolzenes Geröll) haben wir hier umgedreht. Dieser Schacht bleibt interessant, wenn es kälter ist oder noch Schnee über dem Geröll liegt. Der letzte Schacht an diesem Tag sollte sich als Volltreffer entpuppen. Uwe hat ihn schon früher im Sommer entdeckt und wegen dem gewaltigen, horizontalen Eingang als „Woising-Koloss“ bezeichnet. Nach einer 10 m und einer 25 m Stufe stehe wir in einer größeren Halle. Ein beeindruckender Luftzug streicht in einem großen Gang nach unten und führt uns an eine nächste Schachtstufe. Ich bohre einen Dübel, hänge das 60m Seil ein und werfe es nach unten. Überraschenderweise hängt es frei im Raum unter mir. Ein hinterher geworfener Stein schlägt erst nach knapp 8 Sekunden auf. Das wird tief: 100 – 150 m mindestens! Und wir müssen leider aus Zeit-, Seil- und mentalem Mangel umkehren. Der „Koloss“ wartet auf uns. Nächstes Jahr.
Die dritte Tour haben wir genutzt, um einige seit langem offene Fragezeichen im Bereich „Mistralgang“ im Nervensystem anzuschauen. Durch den Ballonhöhlen-eingang seilen wir rasch die ca. 150 Höhenmeter auf das 1640er Niveau und gelangen in den stark bewetterten Höhlenbereich. Am Westende des Ganges ist seit Jahren ein großes Fragezeichen im Plan unter „Nebeldom“ vermerkt.

Nebeldom – leider keine Fortsetzung
Leider enden beide großen Schachtfortsetzungen wie so häufig in unbefahrbar engen Mäandern. Eine Horizontalfortsetzung auf dem 1640er Niveau können wir nicht finden. Auf dem Weiterweg Richtung Ost-Mistralgang erforschen wir zwei nach unten führende Lehmröhren, welche ebenfalls beide in zu engen Mäandern enden. Auf dem Weg nach Draußen (über den Nordabsturz) erblicken wir noch eine große, fossile Gangfortsetzung, welche aber durch eine Schachtquerung versperrt ist. Aus Materialmangel muß diese wohl zusammen mit dem Koloss bis nächstes Jahr warten.
Die nächste Tour haben wir genutzt, um ein wiederum sehr altes Fragezeichen aufzuarbeiten. Über den „historischen“ Nervensystem E1 wollten wir in den 1992 angefahrenen tiefsten damaligen Teil „Wasserschacht“ absteigen. Da alle alten Seile im Eingangsbereich unter einer meterdicken Eisschicht liegen, mußten wir alles neu einrichten. Nach einer kurzen Schlufstrecke sind wir ins „vegetative Nervensystem“ gelangt. Beeindruckende fossile Tunnel mit Sand- und Sedimentfüllung prägen hier das Raumbild. 

Vegetatives Nervensystem: große Sand- und Lehm gefüllte horizontale Gänge auf dem 1720er Niveau prägen hier das Raumbild.
Leider haben wir auch über 20 Jahre später und mit stärkerer Lichtleistung keine Fortsetzung dieser Tunnel finden können. Aber den Abstieg an den alten Seilen in den Wasserschacht haben wir gefunden und überlebt. Und genau am damaligen Forschungsendpunkt ist nun ein paar Meter gegenüber ein neues Seil im Schein der Lampen zu erkennen. Wir setzen einen Haken und stehen genau da, wo wir an der ersten Tour im Blasi2 in die Kluft geschaut haben. Wow! Zweiter Zusammenschluss von Nervensystem und Hochdruckblasi. Damit leider aber auch gleich zwei Hauptfortsetzungen im Plan „gelöscht“.
Die zweite Verbindung zwischen Hochdruckblasi und Nervensystem an einer historischen Endstelle von 1994!
Wir sind froh, nicht über die alten Seile im Wasserschacht aufsteigen zu müssen, sondern über den Blasi2 aussteigen zu können. Im Bereich Treppenhalle erforschen wir den nach oben führenden Gang und finden großräumiges Neuland. Auch hier müssen wir zuletzt wegen Materialmangel an einem 10 m Abstieg umkehren. Hier geht es sehr großräumig und bewettert weiter auf exakt 1640 m Höhe.
Am fünften Forschungstag wollen wir eine etwas kürzere Tour machen und den tagnahen Bereich „Deckenhalle“ im Hochdruckblasi abschließen und die dortigen Seile ausbauen. „Leider“ entdecken wir am Westende der Halle einen kleinen, bewetterten Kriechgang, welcher sich als Hauptfortsetzung herausstellt. Nach einem engen Abstieg und einem Sandschluf erreichen wir schön dimensionierte fossile Gänge mit starkem Luftzug auf dem 1720er Niveau.

Durch diesen engen und stark bewetterten Schluf haben wir die Luftwirbelgänge entdeckt.
Wir vermessen fast 300 Meter ohne Seil, bevor wir an einer Schachtquerung umkehren. Zahlreiche offene Fortsetzungen, sowie der starke Luftzug führen uns somit auch am letzten Forschungstag wieder in diesen Bereich. Nach dem Sandschluf bauen wir ein Seil in eine nach unten führende Röhre uns stehen plötzlich da, wo wir am Vortag umgekehrt sind. Auf dem Topo sieht man, das die Gänge einen Kreis bilden. Wie soll aber der Luftzug im Kreis gehen? Darum taufen wir den Bereich kurzerhand „Luftwirbelgänge“. Vielleicht ein seltenes Phänomen endlos zirkulierender Luft? Oder doch noch eine Fortsetzung, die wir übersehen haben? Am anderen Ende der Luftwirbelgänge bauen wir ein Seil in einen großen Mäander und enden frustriert – wie so oft – an einer unbefahrbaren Fortsetzung. Erst im Aufstieg am Seil erkennen wir, dass am gegenüberliegenden Ende eines einsehbaren Parallelschachts ein großer, horizontaler Gang genau auf 1720 m weiterführt. Perfekte Hauptfortsetzung also für den gesamten Bereich und für nächstes Jahr. Und das Ganze dazu noch sehr eingangsnah.



Am letzten Tag regnet es leider in Strömen und wir müssen das Biwak bei diesem Wetter abbauen und winterfest machen. Unangenehm, aber irgendwann fertig damit, machen wir uns danach auf den Weg ins warme Appelhaus zu Bier und Schweinsbraten neben dem neuen Ofen in der Gaststube und steigen danach nach Grundelsee ab.

Fazit: Insgesamt haben wir in diesem Forschungslager 790 m Neuland erforscht und vermessen – und wieder einmal an zahlreichen großen, offenen Fortsetzungen umdrehen müssen. Die Gesamtganglänge des Woisinghöhlensystems erhöht sich somit auf 14,1 km, die Höhendifferenz bleibt gleich bei 382 m. 

Text und Fotos: Markus Kreuß

Dienstag, 20. Oktober 2015

Neue Vereinsmitteilungen in Buchform

Das neue Buch des Vereines ist fertig. Es umfasst 380 Seiten und beinhaltet zahlreiche Artikel von insgesamt 30 Autoren. Illustriert mit zahlreichen Farb- und SW-Bildern, Plänen und Tabellen gibt es einen guten Überblick über sämtliche aktuellen Forschungsprojekte des VHO.



Alle Mitglieder erhalten das Buch kostenlos.

Sonstige Interessenten können es um € 25.- erwerben.
Versandkosten: Österreich € 4.-, Deutschland € 9,90


Samstag, 17. Oktober 2015

3. Forscherlager im Bereich der Plankermira

Von 8. bis 15. August 2015 fand das VHO-Forscherlager bereits zum 3. Mal im Bereich der Plankermira im Südostmassiv des Toten Gebirges statt. Die Teilnehmer waren Heidrun André, Andreas Glitzner, Peter Jeutter und Robert Seebacher.
Das zwar kleine aber dennoch schlagkräftige Team2015. Vlnr: Peter Jeutter, Andreas Glitzner, Heidrun André und Robert Seebacher. Foto: R. Seebacher
Das außergewöhnlich schöne und stabile Wetter wurde dazu genutzt das extrem hochwassergefährdete Tiefensystem der Wildbaderhöhle weiter zu dokumentieren und zu erforschen. In zwei bis zu 16-stündigen Tagestouren gelang es, das Schachtsystem bis in eine Tiefe von 700 m einzubauen. Trotz der herrschenden Trockenheit waren die bis zu 86 m tiefen Schachtstufen sehr nass und es war oft schwierig dem Höhlenbach auszuweichen. Dennoch konnte dieser Höhlenteil bis in eine Tiefe von 683 m auch vermessen und genau dokumentiert werden.
Sehr enger Schachteinstieg im Tiefensystem der Wildbaderhöhle (-450 m). Foto: R. Seebacher
Tiefensystem der Wildbaderhöhle. Foto: R. Seebacher
Schachteibau in einem sehr nassen Abschnitt. Wildbaderhöhle -660 m. Foto: R. Seebacher
Eine weitere extreme Tour führte bis zum Ostende des Horizontalteiles, wo etwa 160 m schwieriges Neuland entdeckt und vermessen werden konnte. Enge Canyonpassagen, Kletteraufstiege und Siphone prägen diesen Höhlenteil. Momentan gestaltet sich der Weg in Richtung Osten sehr aufwändig und es bedarf wohl noch mehrere weitere Touren um dort einen Durchbruch zu erzielen.
Rast in rund 350 m Tiefe am Rückmarsch von den Ostteilen der Wildbaderhöhle. Foto: R. Seebacher.
Insgesamt gelang es in der Wildbaderhöhle über 700 m zu vermessen, wodurch die durch den VHO dokumentierte Gesamtlänge auf 5.642 m anwuchs.


Oberflächenarbeit im Bereich der Hochweiß-Westflanke. Foto: R. Seebacher

Weiters konnte die rund 100 m lange Tropfsteinhöhle am Niederweiß lokalisiert und vermessen werden. Im Zuge von Oberflächenerkundungen gelang es auch den sehr versteckt gelegenen Eingang der Augensteinhöhle wiederzufinden, sowie weitere in den 1970er Jahren erforschte Schächte genau einzumessen.

Nach dem Abstieg ins Tal fand das Forscherlager in der Steinbrecherhütte auf der Ödernalm auch in diesem Jahr seinen sehr gemütlichen Ausklang.

Ein herzliches Dankeschön an alle, die für den Erfolg des Forscherlagers „Plankermira-2015“ etwas beigetragen haben. Besonderer Dank gebührt der Öderer Almgenossenschaft, der Österr. Bundesforste AG, der Tauplitz Alpgenossenschaft, der Tauplitzalmstraßen AG, sowie Renate und Albert Sonnleitner von der Steinbrecherhütte.

Sonntag, 11. Oktober 2015

Neuland im Traumschacht

Der bereits im Jahr 1998 im Zuge eines Forscherlagers auf dem Brettstein entdeckte und im selben Jahr auf über 400 m Länge vermessene Traumschacht war Anfang August 2015 erneut Ziel einer Unternehmung.

Herrlicher Blick vom Brettstein zum Dachstein. Foto: R. Seebacher

Bei ausgezeichneten Witterungsbedingungen stiegen Robert und Sebastian Seebacher schwer bepackt in rund 1,5 Stunden zum Schachteingang auf. Vom Eingang weg, mussten sämtliche Seile und Verankerungen neu eingebaut werden.

Sebastian Seebacher beim Abstieg durch den 40 m tiefen Einstiegsschacht. Foto: R. Seebacher
Nur ein kleiner Durchschlupf durch den Schneepfropfen konnte freigelegt werden. Foto: R. Seebacher
Am Grund des 40 m tiefen Einstiegsschachtes war es notwendig, einen Schneepfropfen zu überwinden. Nur mit Mühe konnte ein kleiner, senkrechter Durchschlupf freigelegt werden. Darunter war die Höhle aber weitgehend schneefrei, wodurch ein kleiner Durchgang in die erste Halle befahrbar wurde und man sich einen kleinen Schachtabstieg sparen konnte.
Nach der Halle führt die Höhle durch sehr kleinräumige Röhrengänge zu einem 30 m tiefen Schrägschacht. An dessen Grund besitzt der Traumschacht ausgedehnte Horizontalteile, die steil ansteigend bis zu einem Versturz, nahe an die Oberfläche heranreichen.

Engräumige Röhren und Canyons prägen den Mittelteil der Höhle. Foto: R. Seebacher 
Sebastian beim Einstieg in den 30 m-Schrägschacht. Foto: R. Seebacher
Das Ziel unserer Tour war aber die Erforschung eines weiteren Schachtes am tiefsten Punkt der Höhle. In diesem mindestens 50 m tiefen Schacht konnte im Zuge dieser Tour bis auf einen Zwischenboden in insgesamt 126 m Tiefe abgestiegen werden. Hier konnte aufgrund von Zeit- und Materialmangel nicht mehr weiter abgestiegen werden, wodurch die weitere Erforschung dieses interessanten Höhlenteiles an einem späteren Zeitpunkt erfolgt.

Die vermessene Gesamtlänge des Traumschachtes erhöhte sich durch diese Tour auf 466 m bei einer aktuellen Tiefe von 126 m.

Samstag, 10. Oktober 2015

Eine neue Wasserhöhle im Dachstein

Im Zuge von Geländeerkundungen an den Nordflanken des steirischen Dachsteinplateaus gelang es im Frühjahr 2015 überraschend, einen bisher unbekannten, starken Quellaustritt zu entdecken.

Sebastian Seebacher vor dem Eingang. Foto: R. Seebacher
Die mit grobem Blockwerk verlegte Karstquelle befindet sich etwa 200 Höhenmeter über der Talsohle in sehr steilem Gelände in unzugänglichen Dolomitgräben. Der Zustieg ist schwierig und ziemlich mühsam.
Fast bereit zum Tauchen. Foto: S. Seebacher
In mehreren Aktionen war es möglich zahlreiche große Blöcke mit Treibkeilen zu zerlegen und zu entfernen. Es gelang schließlich den Zugang zu einer etwa 1,5 m² großen Wasserfläche zu öffnen, von der ein kleinräumiger Siphon in die Tiefe führt. Die Höhle wurde Keltenbrunnen genannt und stellt die bisher einzige betauchbare Höhle in diesem Gebiet dar.


Bei einem ersten Tauchvorstoß durch Robert Seebacher, unterstützt durch Sebastian Seebacher gelang es im Juni 16 m weit bei einer maximalen Tauchtiefe von 7 m vorzudringen. Die Unterwasserstrecke weist mehrere Engstellen auf und konnte bis zu einer sehr engen, senkrechten Spalte betaucht werden. Ob dieses Hindernis überwunden werden kann, muss bei weiteren Tauchgängen geklärt werden.