Samstag, 22. Juli 2017

Voodoo-Canyon nun über 4 km lang

Von 13.-16. Juli 2017 unternahmen die VHO-Mitglieder Heidrun André (D), Andreas Glitzner (A), Rebecca Lawson (GB), Pauline Oberender (A) und Robert Seebacher (A) eine 69-stündige Tour in den Voodoo-Canyon (1543/225) am Dachstein. Am ersten Tag erfolgte der Abstieg bis ins Fakir-Biwak, welches 235 m unter dem Eingang gelegen, wieder den Stützpunkt für die gesamte Tour darstellte. Um zum Eingang zu gelangen, musste vom Hallstätter-Gletscher aus erneut die rund 130 m hohe Abseilstrecke durch die Dachstein-Südwand eingerichtet werden.

Der Zustieg erfolgt über den Hallstätter-Gletscher. Foto: R. Seebacher
Das Fakir-Biwak. Foto: R. Seebacher
Am zweiten Tag erfolgte der Abstieg zur Voodoo-Master-Halle in 600 m Tiefe. Dort wartete die Fertigstellung des bei der letzten Tour begonnenen Aufstieges zu einem Gangfenster. Während ein Team (Andreas, Rebecca und Pauline) diese Aufgabe übernahm, stiegen Heidi und Robert 220 m weiter oben in einen noch unerforschten Canyon ab. Wie bereits aufgrund der Messdaten vermutet, konnte hier nach rund 50 m die Verbindung zu bereits bekannten Höhlenteilen hergestellt werden. Nachdem diese Strecke vermessen und gleich wieder ausgebaut wurde, traf sich das gesamte Team in der Voodoo-Master-Halle.
Einer der zahlreichen Canyon-Abstiege in Richtung Voodoo-Master-Halle.
Foto: R. Seebacher
Blick durch das erkletterte Fenster in Richtung Voodoo-Master-Halle.
Foto: R. Seebacher
Das Gangfenster war rasch erreicht. Leider setzte sich die Höhle dahinter aber als weiter steil ansteigender Canyon fort und weitere Kletterstellen mussten überwunden werden. Nach einem letzten technischen Aufstieg von 15 m gelang es schließlich den Boden eines riesigen, weit über 80 m hohen Schachtraumes zu erreichen. Hier schien die Tour ihr Ende zu nehmen. Lautes Wasserrauschen führte aber dann zur Entdeckung eines engen, abzweigenden Canyons. Dieser mündet in ein wieder nach unten ziehendes, leicht wasserführendes Schachtsystem. Das starke Wasserrauschen ist hier aus einem weiter nach oben führenden Canyon zu vernehmen. 

Neu entdeckter, riesiger Schachtraum. Foto: R. Seebacher

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit musste die Tour an dieser Stelle abgebrochen werden und das Team stieg aufgrund der schönen Entdeckung guten Mutes wieder bis zum Biwak auf.

Am nächsten Tag erfolgte schließlich die Erforschung des neuen Schachtsystems. Mit schönen, bis zu 30 m tiefen Stufen führt dieser Höhlenteil in die Tiefe. Die Hoffnung war groß, den Versturz der Voodoo-Master-Halle auf diesem Wege umgehen zu können um weiter in Richtung Südwandhöhle vorzudringen. Leider teilt sich die Passage aber nach rund 100 m in einer Gesamttiefe von 610 m in zwei enge Äste. Eine Passage ist durch einen Versturz blockiert, die andere endet in einem sehr kleinen Siphon. 

Einrichten einer Umsteigstelle im neuen Schachtsystem. Foto: R. Seebacher

Enttäuscht stieg das Team wieder auf und widmete sich nun dem Canyonaufstieg in Richtung Wasserrauschen. Hier war es notwendig, über 20 m durch teilweise enge und lehmige Passagen aufzuklettern. Schließlich konnte erneut der Boden eines großen Schachtes erreicht werden. Der durch den Schacht herabstürzende Bach verschwindet hier leider in einer engen Spalte. Ein weiteres Schachtsystem nach unten konnte also nicht gefunden werden.

In der Zwischenzeit hatte es rund 20 cm geschneit, wodurch der Aufstieg
durch die Südwand erschwert wurde. Foto: R. Seebacher
Es gelang bei diesen aufwändigen Forschungen 420 m, großteils schwieriges Neuland zu erkunden und zu vermessen. Die dokumentierte Gesamtlänge des Voodoo-Canyons stieg auf 4354 m, die Niveaudifferenz blieb mit +- 723 m unverändert.
Die erhoffte Tiefenfortsetzung konnte zwar gefunden werden, leider endet diese aber frühzeitig. Eine Fortsetzung in Richtung Südwandhöhle dürfte in diesem Bereich nicht bestehen. Es bleibt nun nur noch den Versturz in der Voodoo-Master-Halle nochmals genauer abzusuchen, bzw. viel höher in der Höhle nach Fortsetzungen zu suchen.
Herzlichen Dank den Planai-Hochwurzen-Bahnen für die logistische Unterstützung.




Donnerstag, 23. März 2017

Weiterer Arbeitseinsatz in der Bullenhöhle

Im End-Lehmsiphon der Bullenhöhle auf der Tauplitzalm konnte zwar leider noch immer kein Durchbruch erzielt werden, die letzte Aktion lässt aber hoffen.

Rast in 180 m Tiefe. Foto: R. Seebacher
Am 20. März 2017 unternahmen Thomas Bayn, Daniel Haas, Axel Hack und Robert Seebacher eine insgesamt 12-stündige Tour in diese interessante Höhle. Die aufwändigen Räumarbeiten am momentanen Höhlenende wurden fortgesetzt. Dazu musste der ausgegrabene Lehm in Etappen etwa 20 m durch einen Schluf bis in eine kleine Halle transportiert werden. Insgesamt gelang es dabei zwei weitere Meter in die deutlich bewetterte Passage vorzudringen. Vom erreichten Endpunkt steigt der Gang nun steiler und wieder größer werdend an, was auf ein baldiges Ende der Lehmverfüllung hoffen lässt. Nebenbei konnte unter einem im Lehm steckenden Stein ein Höhlen-Pseudoskorpion entdeckt werden.

Sonntag, 19. März 2017

Neue Großhöhle am Tauplitzalmplateau

Der freigeblasene Eingang im Februar 2017. Foto: R. Seebacher
Am 20.12.2016 unternahm Robert Seebacher eine Forschungstour in die Hochklammhöhle am Südrand des Tauplitzalmplateaus. Nach der Auffahrt mit der 4er-Sesselbahn erfolgte der Zustieg mit Tourenschi zum Eingang. Erstes Ziel war ein Versturz am Grund eines Schachtes südlich des Guggendoms. Hier konnte aber ohne zusätzliches Werkzeug kein Durchbruch erzielt werden. Kleine  Steine fallen jedoch bereits in einen darunter liegenden Raum.

Abstieg durch die vergrößerte Engstelle.
Anschließend wurde der Schacht ausgebaut und mit dem Seil ein kleiner Abstieg hinter dem Guggendomversturz eingebaut. Auf dessen Grund befindet sich eine senkrechte Engstelle, durch die ein darunterliegender größerer Raum einsehbar war. Mit Treibkeilen konnte ein sperrender Block und eine Felsnase entfernt werden, wodurch der Abstieg gelang. Die Vermessung des scheinbar fortsetzungslosen Raumes erbrachte 23 m, wodurch die Hochklammhöhle auf über 500 m Länge kletterte und dadurch zur Großhöhle wurde.
Im Zubringercanyon zum Weihnachsgeschenk.
Die Freude über die neue Großhöhle wurde aber vorerst durch das Fehlen einer weiteren Fortsetzung getrübt. Bei einer abschließenden, nochmaligen genauen Inspektion konnte eine sehr enge, senkrecht nach oben führende Spalte gefunden werden. Bei der Erkundung der schwierigen Fortsetzung war es möglich in einen weiterführenden gerade nach Norden ziehenden Canyon zu gelangen. Die Passage wurde spontan „Weihnachtsgeschenk“ getauft. Nach rund 30 m und einer weiteren Engstelle mündet der Canyon unvermittelt in einen großen querverlaufenden Gang mit 3-5 m Breite und 2-8 m Höhe. Dieser teilweise schön versinterte Gang ist rund 100 m lang und endet nach oben an einem Versturz, bzw. nach unten an einem Lehmsiphon.

Eine am 12.02.2017 durchgeführte Vermessung und weiter Erforschung dieses Höhlenteiles durch Heidrun André und Robert Seebacher erbrachte schließlich 152 m Länge.

Die vermessene Gesamtganglänge der Hochklammhöhle kletterte dadurch auf  668 m. Sie ist also nicht nur zur Großhöhle geworden sondern nun auch vor der Bullenhöhle zur längsten Höhle im Bereich des Tauplitzalmplateaus. 
Schöne Gangprofile im neuen Höhlenteil. Foto: R. Seebacher