Sonntag, 8. September 2013

Sehr erfolgreiche VHO-Forscherwoche im Südostmassiv des Toten Gebirges

Blick von der Plankermira zum Grimming (2351 m). Foto: R. Seebacher
Von 10. bis 18. August 2013 veranstaltete der Verein für Höhlenkunde in Obersteier (VHO) sein traditionelles Forscherlager im Bereich des Hochplateaus des Toten Gebirges. Acht Höhlenforscher schlugen ihr Lager für über eine Woche in der Nähe der Plankermira (2178 m) im Südostmassiv des Gebirges auf. Dies waren Heidrun André, Richard Frank, Ernest Geyer, Peter Jeutter, Markus Kreuß, Rebecca Lawson, Thomas Schneider und Robert Seebacher. An zwei Tagestouren war zusätzlich Franz Schmidt beteiligt.
Forschungsteam v.l.n.r.: E. Geyer, R. Seebacher, M. Kreuß, R. Lawson, P. Jeutter, T. Schneider, H. André, R. Frank. Foto: R. Seebacher

Biwakplatz mit Schutzhöhle am Hochweiß. Foto: R. Seebacher

Gemeinschaftszelt in der Schutzhöhle. Foto: M. Kreuß
Das Forschungsgebiet befindet sich im Gemeindegebiet von Tauplitz, nördlich der Ödernalm und liegt auf über 2000 m Seehöhe. Der mühsame Aufstieg über mehr als 800 Höhenmeter erfolgte großteils weglos und nahm rund drei Stunden in Anspruch. Als Stützpunkt diente die Schutzhöhle am Hochweiß (1625/74) in deren unmittelbaren Nähe auch das Lager aufgebaut wurde.

Blick zum Forschungsgebiet. Foto: R. Seebacher
Zuletzt waren in den 1970er und 1980er Jahren Höhlenforscher aus Bad Mitterndorf (VHO, damals Sektion Ausseerland d. LV f. HK Stmk.) und aus Frankreich (G.S.D., G.S.C., S.A.C.) in diesem stark verkarsteten Gebiet tätig. Rund 60 Höhlen und Schächte wurden aufgenommen, teilweise erforscht und vermessen. Es blieben jedoch zahlreiche Höhlen und Höhlenfortsetzungen unbearbeitet, wodurch hier noch immer ein enormes Forschungspotenzial besteht.
Eingang der Wildbaderhöhle. Im Hintergrund der Hochweiß (2158 m). Foto: R. Seebacher
Einstiegsschacht der Wildbaderhöhle. Foto: R. Seebacher

Oberes Horizontalsystem. Foto: M. Kreuß
Oberes Horizontalsystem. Foto: M. Kreuß

Speziell in der Wildbaderhöhle (1625/150), welche bei einer Länge von 1737 m bis in eine Tiefe von  874 m erforscht wurde, schlummert ein mächtiges Potenzial.
Obere Horizontaletage.Petrefaktengang. Foto: M. Kreuß
So wurde diese Höhle zum Hauptforschungsobjekt dieser Woche erkoren. Mit bis zu vier Vermessungsteams, welche parallel in verschiedenen Bereichen der Höhle arbeiteten,  war bald ein Großteil der bisher bekannten Höhlenteile vermessen. Einige Abschnitte beinhalten bemerkenswerten Sinterschmuck in Form von Tropfsteinen und Kalzitkristallen.
Große Sinterbruchstücke in der oberen Horizontaletage. Foto: M. Kreuß
Kristall und Exzentiquesbildungen. Foto: M. Kreuß
Obere Horizontaletage, kurz vor dem Germanenschacht. Foto: M. Kreuß
Die Höhle weist eine deutliche stockwerkartige Gliederung auf. Es sind mehrere Horizontaletagen ausgebildet (-30 m, -50, -130 m, - 270 m, -360 m, -850 m) die teilweise beachtliche Raumdimensionen erreichen. Die Labyrinthe zwischen -30 m und -130 m wurden großteils aufgearbeitet und neu vermessen (~ 700 m). Die bei -130 m ansetzende Etage ist deutlich an das Fallen der Schichten gebunden und konnte auf eine Länge von über 1500 m in zwei Richtungen vermessen werden. Von dieser Etage führen zahlreiche mächtige Schachtsysteme mit bis zu 195 m tiefen Direktschächten weiter in die Tiefe. Zahlreiche, auch horizontale Fortsetzungen blieben hier noch unbearbeitet. Besonderes Interesse galt einem Abschnitt, welcher von den französischen Höhlenforschern nicht gänzlich untersucht wurde. Um dieses Horizontalsystem zu erreichen, muss über zahlreiche Schachtstufen bis in eine Tiefe von 360 m abgestiegen werden. Besonders beeindruckend ist der vollkommen senkrechte, 151 m tiefe Germanenschacht mit einem Durchmesser von über 10 m.
Enger Schachteinstieg, kurz vor Erreichen des unteren Horizontalnivieaus. Foto: R. Seebacher



Unteres Horizontalniveau, Ostteil. Foto: R. Seebacher
Der besagte Horizontalteil führt sowohl in Richtung Westen, als auch nach Osten, wo in einer Entfernung von rund 2 km das über 23 km lange DÖF-Sonnenleiter-Höhlensystem auf der Tauplitz Hochalm liegt.
Die Gänge sind teilweise als Canyon ausgebildet und erreichen oftmals eine Höhe von 40 m. Nach Westen ist der Mäander anfangs recht schmal und konnte auf eine Länge von 240 m vermessen werden. Hier wurde der Endpunkt der Franzosen noch nicht erreicht. In Richtung Osten hingegen befindet sich bereits nach etwa 150 m der Endpunkt der französischen Höhlenforscher, eine geräumige Halle. Hier war es bereits bei einer er ersten Touren möglich über einen schwierigen, extrem brüchigen Kletteraufstieg die Fortsetzung der Passage zu entdecken. Der schön mit Tropfsteinen und Sinterbildungen dekorierte Gang führt von hier sehr großräumig weiter in den Berg. Starker Luftzug deutet auf ausgedehnte Fortsetzungen hin. Nach einer Strecke von weiteren 200 m erreichte das Vermessungsteam einen beeindruckenden, rund 50 m hohen Dom. Dieser neu entdeckte Höhlenraum wurde zum Andenken an unseren im Vorjahr verstorbenen Höhlenkameraden und Freund  Erwin-Hüttner-Dom benannt.
Trockene Canyonpassage im Ostteil, kurz  nach dem Erwin-Hüttner-Dom.
Foto: R. Seebacher
Im Anschluss an diese Halle kündigte in einer tief eingeschnittenen Schlucht starkes Wasserrauschen einen Bachlauf an. Das Team konnte diesem Bach noch eine Weile lang folgen, bis ein überhängender Abbruch den Vorstoß stoppte. Dieser Punkt liegt bereits 1,2 km vom Eingang entfernt und führt weiter in Richtung Osten.
Erreichter Endpunkt im Ostteil. Foto: H. André
Hier werden die Forschungen im nächsten Jahr fortgesetzt und es wird sich zeigen, wie weit man unter das Hochplateau des Toten Gebirges vordringen kann.
Des weiteren wurde auch die nahe Riffrandhöhle (1625/140) bearbeitet. Dieses Objekt liegt über den Gängen der Wildbaderhöhle und konnte auf 130 m Länge und 46 m Tiefe erforscht und vermessen werden. Leider endet die Höhle in einem riesigen Versturz und es konnte die erhoffte Verbindung nicht realisiert werden. 
Tagesausklang im Gemeinschaftszelt. Foto: M. Kreuß
Obwohl diesmal lediglich in zwei Höhlen geforscht wurde, konnten bei dem Lager fast 4 km an unteririschen Passagen aufgenommen werden. Die durch Vermessung dokumentierte Länge der Wildbaderhöhle liegt nun bereits bei 3.601 m (GML: 3.733 m). Dazu war es notwendig über 600 m an Fixseilen  einzubauen. Sämtliche befahrenen Bereiche wurden zusätzlich mittels Fotos dokumentiert.
Geländeerkundungen und Oberflächenvermessungen rundeten die Arbeiten dieser Woche ab.
In Anbetracht der zahlreichen neu entdeckten Fortsetzungen beabsichtigt der Verein auch im Jahr 2014 eine Forscherwoche in diesem Gebiet abzuhalten.
Nach dem Abstieg fand das Forscherlager in der Steinbrecherhütte bei Bratl und Musik einen gemütlichen Ausklang.

Gemütlicher Ausklang bei der Steinbrecherhütte. Foto: R. Seebacher
Ein Dankeschön an alle Personen, die mit ihrem Einsatz für das Gelingen der Unternehmung „Plankermira-2013“ beigetragen haben. Besonderer Dank gebührt folgenden Personen und Institutionen: Öderer Almgenossenschaft, Österr. Bundesforste AG, Tauplitz Alpgenossenschaft sowie Renate und Albert Sonnleitner von der Steinbrecherhütte in der Ödernalm.

Mittwoch, 28. August 2013

Forscherlager am Woising

Das diesjährige Hochsommer-Forschungslager am Woising hat von 27. Juli bis 03. August stattgefunden. Teilnehmer waren Uwe Kalmbach und Markus Kreuß (beide VHO), sowie die beiden Schweizer Gastforscher Urs Etter und Remo Widmer (SGH Bern).
Bei herrlich hochsommerlichem Wetter sind wir am Samstagmorgen über das Appelhaus ins Biwak aufgestiegen. Leider konnte die Materialseilbahn wegen Wartungsarbeiten nicht genutzt werden. Bei annähernd 35 °C Lufttemperatur und schweren Rucksäcken war der 6-stündige Anmarsch nicht unbedingt einer der angenehmsten, trotz dem kühlen Bier am Appelhaus. Aber definitiv besser als bei Regen!
Nach dem Aufbau des Biwaks stellten wir zunächst fest, dass auf Grund der langen Trockenheit kein Tropfwasser in der Materialhöhle und somit auch kein Wasser vorhanden waren. Lösung für die Forschungswoche war somit, aus der nahen Milbenstuben-Höhle Schnee zu holen und zu schmelzen – was aber bei 35 °C auch kein Problem darstellte. Ansonsten wird uns diese Forschungswoche auf Grund der warmen Temperaturen und dem fast vollständigen Fehlen von Schlechtwetter sicherlich als eine der schönsten in Erinnerung bleiben!
In dieser Woche wurden insgesamt 3 Touren in die Hochdruckblasi-Höhle, 2 Touren ins Nervensystem, sowie eine Oberflächenerkundung durchgeführt.
Im Hochdruckblasi wurden bei der ersten Tour weiterführende Röhren oberhalb der Deckenhalle erkundet, vermessen und wieder ausgebaut. Alle Röhren enden leider oberflächennah, unschliefbar eng oder verlehmt. In diesem Teil wurden die Seile wieder ausgebaut und wir sind weiter auf das Horizontalniveau abgestiegen.
Dort sind wir beim letzten Forschungslager auf eine interessante Fortsetzung gestoßen. Im schönen, sandigen und trockenen Mittelteil der Höhle lässt sich oberhalb einer Schachtquerung ein geräumiger Gang einsehen. Diese Stufe haben wir dieses Mal in technischer Kletterei überwunden.
Hier zieht ganz unerwartet ein zweiter Flusshöhlengang parallel zum Hauptgang des Hochdruckblasi auf exakt gleicher Seehöhe (1640 m) in den Berg! Wir verfolgen den Gang noch bis in eine riesige Klufthalle und einen unübersichtlichen Bereich, welcher von mehreren Schächten zerschnitten wird. Für heute drehen wir hier um.
Auf der zweiten Hochdruckblasi-Tour geht es ganz nach hinten in die tagfernsten Teile: Pyramidenhalle und schwarzer Himmel.
Urs und Markus wollen eine Schachtstufe nach unten in der Pyramidenhalle erkunden – leider fällt ein Akkubohrhammer total aus. Uwe und Remo kommen mit neuen Seilen und der einzig verbliebenen Bohrmaschine nach. Sie wollen im Schwarzen Himmel den nach oben führenden Gang weiterverfolgen und müssen wegen Seilmangel auf offener Strecke umkehren. In der Pyramidenhalle fällt uns noch ein bisher übersehenes großes Deckenloch auf, in welchem eventuell der Hauptgang weiterführt. Dieser Tagfernste Bereich der Höhle bleibt hochspannend und mit vielen großen Fortsetzungen.
In der dritten Hochdruckblasi-Tour haben wir die neuen Teile im „Blasi-2-Gang“ getauften Höhlenteil vermessen und verschiedene Fortsetzungen erkundet. Der gequerte Schacht setzt sich als Mäander nach unten fort. Eine technische Erkletterung einer nach oben führenden Röhre endete wie so oft verlehmt. Zwei der großen Schächte im Bereich der Riesenkluft-Halle sind ca. 60 m tief und enden – ebenfalls wie so oft – in zu engen Mäandern. Den großen Durchbruch bringt die Querung eines Schachtes. Hier führt der Blasi-2-Gang in gleichbleibender Dimension weiter. An einer nächsten Schachtquerung haben wir wegen Materialmangel umkehren müssen. Hier geht es sehr vielversprechend weiter!
Bei der ersten Tour ins Nervensystem haben wir die alten Eisteile besucht, um zu überprüfen, ob bestimmte Schächte und Gänge aufgetaut sind. Leider nein – im Gegenteil scheint das Eis eher mehr zu werden. Unabhängig davon konnten wir einige alte Seile ausbauen und für den kommenden Tag nutzen.
Die zweite Tour ins Nervensystem haben wir genutzt, um am östlichen Ende der Höhle im Bereich Eisaltarhalle eine nach unten führende Kluft/Schachtzone weiterzuverfolgen. Und in der Tat scheint die alte Kluft ohne Ende nach unten zu ziehen. Wegen Seilmangel mussten wir auf ca. 1490 m Seehöhe umkehren. Das ist der bisher tiefste erreichte Punkt in den Höhlen am Woising. Ein Ende haben wir weder einsehen noch durch Steinwurf erahnen können. Die Steine fallen und fallen. Hier hoffen wir, endlich das für das Tote Gebirge typische Riesenhöhlenniveau um 1500 m Seehöhe zu erreichen. Ferner konnten mehrere Gangfenster eingesehen aber wegen Seilmangel nicht erreicht werden.

Fazit: Insgesamt haben wir in diesem Forschungslager 560 m Neuland erschlossert und vermessen – und an zahlreichen großen, offenen Fortsetzungen umdrehen müssen. Die Gesamtganglänge der Hochdruckblasihöhle erhöht sich auf 6.379 m, die des Nervensystems auf 6.374 m. Bleibt anzumerken, dass beide Höhlen nur noch einige Meter voneinander entfernt liegen.

Text und Fotos: Markus Kreuß

Donnerstag, 22. August 2013

Untere Brettstein Bärenhöhle wird wieder länger

Am 24.07.2013 konnte eine weitere Forschungs- und Vermessungstour in die Untere Brettstein Bärenhöhle (1625/33) unternommen werden. Zuvor gelang es 2011 nach einer längeren Forschungspause in mehreren Touren 630 m Neuland zu vermessen. Bei der letzen Unternehmung musste aus Zeitmangel in einem mehrere Meter hohen, bewetterten Gang der Vorstoß abgebrochen werden.
Nun stiegen bei ausgezeichneten Witterungsbedingungen Robert und Sebastian Seebacher erneut zur Höhle auf.

Der Forschungsendpunkt war vom Eingang etwa nach einer Stunde erreicht. Sogleich begann man mit der Vermessung des etwa 3-4 m breiten und bis zu 7 m hohen, in Richtung Osten ziehenden Ganges. Hinter einer schön versinterten Halle endet der Gang aber leider nach etwa 80 m an einem unüberwindbaren Versturz. Wenig Meter davor gelang es aber durch eine niedrige und unübersichtliche Verbruchzone in weiterführende Gänge zu gelangen. Diese enden jedoch ebenfalls an einem Versturz bzw. an einem Lehmsiphon. Die Auswertung der Messdaten ergab, dass der angetroffene, stark bewetterte Versturz nur noch wenige Meter von anderen Teilen der Brettsteinhöhle entfernt liegt.

Eine noch unerforschte Fortsetzung in Richtung Osten konnte nicht mehr untersucht werden und bietet somit noch eine Möglichkeit auf weiteres Neuland. Ansonsten gilt dieser Bereich der Unteren Brettstein Bärenhöhle als weitgehend erforscht.

Insgesamt erbrachte die Forschungstour 181 m Neuland, wodurch sich die vermessene Gesamtlänge der Unteren Brettstein Bärenhöhle auf 5.304 m erhöhte.

Erste Höhle im Hochtausing vermessen

Die Hochtausing Südwandhöhle (Kat. Nr. 1632/1) wurde bei der Begehung des Südwandsteiges im November 2012 erstmals im Tageslichtbereich besucht. Dabei wurde festgestellt dass die Höhle schräg nach unten weiterführt.
   

Bei einer Forschungstour im November 2012 durch Monika Steinberger und Framz Schmidt wurde die Höhle mit Hilfe eines  30 m-Seiles und Schachtausrüstung befahren. Der Eingang ist ca. 0,5 m breit und ca. 2 m hoch! Nach einer kurzen Schlufstrecke führt Richtung Nord ein ca. 0.8 m breiter und 3 m hoher Gang mit Schotterboden schräg ca. 5-6 m nach unten. Hier setzt dann eine ost-west verlaufende tektonische Kluft an. Über eine ca. 10 m tiefe Schachtstufe die nur mit Seil zu überwinden ist kommt man auf den Boden eines Kluft gebundenen Raumes der mit teilweise großen Versturzblöcken bedeckt ist, die ca. 2-3 m breite und 5-8 m hohe Kluft steigt in beiden Richtungen an, an der östlichen Richtung endet die Kluft dann unschliefbar verstürzt. In westlicher Richtung führt der Gang steil aufwärts und es ist an der Decke eine kleine Fortsetzung die nur mit Seilsicherung erreichbar ist sichtbar! In der Höhle ist starke Wetterführung spürbar. Im westlichen Teil ist der Gang trocken und mit Bergmilch Ablagerungen an den Wänden versehen, eine hängende Fledermaus  sowie Zackeneulen und Spinnen wurden beobachtet! An der nördlichen Wand des Kluftganges ist in Falllinie der Schachtstufe die Wand mit einer ca. 10 cm dicken  sehr weichen nassen Schicht Bergmilch bedeckt!
Bei einer zweiten Forschungstour am 14.07.2013 wurde die Höhle von Ernest Geyer und Franz Schmidt vermessen!
Für den Abstieg in den großen Kluftgang wurde ein zweiter Spit als Umsteigstelle gebohrt, von hier kann der Boden in freier Abseilfahrt erreicht werden. Von der Falllinie der Abseilstelle zieht der ca. 2 m breite Gang ca. 16 m ansteigend in östliche Richtung wo der Gang dann von oben verstürzt unschliefbar endet!
Der nach Westen ziehende Gang zieht ca. 12 m nach unten zur tiefsten Stelle der Höhle in einem Versturz. Von hier führt der Kluftgang geräumig aufwärts ca. 19 m ebenfalls zu einem Versturz, dieser Versturz aus 1-2 m großen Versturzblöcken ist hier sehr labil!
In den hintersten Teilen der Höhle wurden auch einige Mücken an der Höhlenwand beobachtet!
Die Gesamttiefe der Höhle beträgt 23 m und die Gesamtlänge 79 m!


Text: Franz Schmidt. Fotos: Franz Schmidt & Monika Steinberger

Mittwoch, 31. Juli 2013

Schwieriges Neuland im Voodoo-Canyon

Von 30. Mai bis 02. Juni 2013 unternahmen Heidrun André, Alex Klampfer und Robert Seebacher eine viertägige Biwaktour in den Voodoo-Canyon (1543/250 a-c).
Ziel waren diesmal hauptsächlich Schlotfortsetzungen im tieferen Bereich der Höhle.
Am ersten Tag erfolgte der Zustieg zum Biwak, welches in einer Tiefe von 240 m liegt. Dazu musste diesmal die Abseilpiste in der Dachstein-Südwand bei sehr winterlichen Bedingungen und starkem Schneesturm eingerichtet werden. Der weitere Zustieg ins Biwak gestaltete sich jedoch vollkommen problemlos.
Am nächsten Tag stiegen die drei zuerst bis zur Equinox (-418 m) ab. Dort konnte ein 20 m hoher, stark bewetterter Schlot bezwungen werden. Leider führt oberhalb nur ein Canyon weiter steil in die Höhe. Einen Zugang zum erhofften, abwärts führenden Schachtsystem gibt es hier also scheinbar nicht.
Anschließend erfolgte der Abstieg bis in 600 m Tiefe, wo in der Voodoo-Master-Halle ein weiterer großer technischer Aufstieg auf das Team wartete.
Nach einer 15 m hohen, senkrechten Wand erfolgte eine 30 m lange luftige Traverse zu einem kleinen Standplatz. Von dort konnte ein sichtbarer Zwischenboden leider gerade nicht mehr erreicht werden. Alle Bohrhammer-Akkus waren leer. An diesem Punkt muss also  bei der nächsten Tour weitergearbeitet werden. Ob hier ein Zugang zu einem weiter in Richtung Südwandhöhle hinabführenden Schachtsystem möglich ist, wird sich also erst bei der nächsten Unternehmung zeigen.
Am zweiten Forschungstag widmete man sich schließlich der Erforschung eines bei -212 m ansetzenden aktiven Schachtsystems, den Resetschächten. Hier gelang es über mehrere Stufen 70 m tief bis auf -282 m abzusteigen. Endpunkt war ein weiterer, geräumiger Schacht, welcher einen guten Ansatzpunkt für weitere Forschungen bietet.
Der Rückweg am 4. Tag war eine besondere Herausforderung. Bei starkem Schneetreiben und etwa 1 m Neuschnee musste der Weg durch die Südwand und über den Gletscher bis zur Bergstation der Seilbahn bewerkstelligt werden. Ein großes Dankeschön an die diensthabende Mannschaft der Dachstein-Seilbahn, welche extra für uns diese  in Betrieb nahm und uns so die Heimreise ermöglichte.

Die vermessene Gesamtlänge des Voodoo-Canyon stieg um 103 m auf 3.938 m. Die Tiefe blieb mit +- 723 m leider unverändert.

Donnerstag, 2. Mai 2013

Wieder Neuland in der Südwandhöhle am Dachstein

Nach einer längeren Forschungspause wurde nun von 07.-10. April 2013 wieder eine Forschungstour in die Südwandhöhle (1543/28) am Dachstein durchgeführt.
Die Teilnehmer waren: Heidrun André, Andreas Glitzner, Lukas Plan und Robert Seebacher.
Am ersten Tag wurde mit Tourenschi bis zum Eingang aufgestiegen. Anschließend erfolgte der mehr als 9-stündige Marsch ins Brummröhren-Biwak, welches weit im Inneren der Höhle den bisher entlegensten Forschungsstützpunkt darstellt. Das Biwak befindet sich etwa unterhalb des Gipfels des Niederen Dachsteins (2934 m) und weist eine gewaltige Gesteinsüberdeckung von rund 1.500 m auf.
Am nächsten Tag erfolgte der etwa 2-stündige Marsch zum Neuland, einem Schlot und einem Gangfenster. Der Zustieg führte über die 1,5 km lange, unter dem Gosaugletscher verlaufende Gangfolge (Gosauschleichweg, Nirwana, Windluckengang). Die vorwiegend sehr großräumigen Passagen sind durch mehrere, teils unangenehme Schlufstrecken unterbrochen.
Über eine kurze erbohrte Traverse gelang es schnell einen in Richtung Süden ziehenden Gang zu erreichen. Der mit feuchtem Lehm bedeckte Gang konnte 60 m weit, bis zu einem Versturz erforscht und vermessen werden. Nach der Entfernung einiger Blöcke gelang es nach relativ kurzer Zeit das Hindernis zu überwinden. Hinter dem Versturz befindet sich eine kleine Halle mit einer noch unerforschten, steil nach oben ziehenden Fortsetzung.
Am Ende des Winluckenganges befindet sich der Schlot „Was soll denn sein“, welcher eine ganz spezielle Herausforderung darstellte. Mit Hilfe eines Akku-Bohrhammers musste im teilweise senkrechten Schlot 42 m hoch aufgestiegen werden. Leider befindet sich darüber ein chaotischer Versturz, dessen Überwindung bisher noch nicht gelang. Dennoch konnte hier mit 4.476 m der bisher am weitesten vom Eingang entfernte Punkt in der Südwandhöhle erreicht werden.
Der zweite Forschungstag erbrachte die Erkletterung eines weiteren, über 20 m hohen Schlotes. Hier war aber leider das restliche Seil zu kurz, um weiter vordringen zu können.
Am tiefsten und zugleich nördlichsten Punkt der Höhle gelang es nach der Überwindung einer kurzen Schlufstrecke einen kleinräumigen, stetig in Richtung NO ziehenden Gang zu erforschen. Nach rund 200 m Vermessung musste wegen Zeitmangels auf offener Strecke umgekehrt werden. Die Passage ist akut Hochwassergefährdet und dürfte in der warmen Jahreszeit durchgehend eine Siphonstrecke bilden. Eine weitere Erforschung ist also nur im Winter möglich, bietet aber eventuell den Zugang in weitere nordwärts ziehende Höhlenteile.
Obwohl der große Durchbruch weiter auf sich warten lässt, mussten dennoch einige durchaus erfolgversprechende Fortsetzungen zurückgelassen werden.
Die Vermessung von Reststrecken am letzten Tag der Tour erbrachten schließlich weitere 200 m, wodurch sich die vermessene Gesamtlänge der Südwandhöhle um 600 m auf 10.904 m erhöhte. Die Horizontalerstreckung stieg geringfügig auf 1.425 m.

Bilder: A. Glitzer, R. Seebacher

Sonntag, 24. März 2013

Über 100 m Postsiphonvermessung im Nassen Loch (NÖ)

Im Dezember 2012 war aufgrund der außergewöhnlichen Trockenheit ein Tauchgang im Endsiphon des Trockenen Loches (1836/34) bei Schwarzenbach an der Pielach geplant.
Die hinteren Teile dieser über 4,5 km langen Wasserhöhle sind nur alle paar Jahre zugänglich, da normalerweise ein Siphon den Weg versperrt. Anfang Dezember machte mich Lukas Plan darauf aufmerksam, dass der Wintergangsiphon momentan offen sei und nun ein Materialtransport zum Endsiphon möglich wäre. Wir fixierten rasch einen Termin für die Aktion. Starkes Tauwetter machte uns jedoch einen Strich durch die Rechnung.
Als Alternative stand nun ein Tauchgang im nur etwa 100 m entfernt gelegenen Nassen Loch (1836/19) auf dem Programm. Hier befindet sich der bereits 1962 von Hans Matz erstmals durchtauchte Siphon etwa 90 m hinter dem Eingang. Dahinter liegt ein rund 20 m langer Höhlensee und ein weiterer Siphon. Zwischen den beiden Siphonen befindet sich eine trockene Fortsetzung, welche zuletzt von Martin Jaga und Christoph Lechner teilweise erforscht und vermessen wurde.
Da die beiden Siphone und der Höhlensee dazwischen noch unvermessen waren und auch die trockenen Teile noch eine Fortsetzung aufwiesen ging der Verfasser nun daran diese Teile zu dokumentieren und zu vermessen.
Die Aktion startete am 19.12.2012. Als Helfer fungierten Elisabeth Guggenberger, Pauline Oberender und Lukas Plan vom Verein für Höhlenkunde in Wien und Niederösterreich. Ihnen sei an dieser Stelle recht herzlich gedankt.
Nach einem Fußmarsch von etwa 30 Minuten erreichte das Team den Eingang. Rasch war die Ausrüstung durch die meist geräumige Wasserhöhle bis zum Siphon transportier. Nur im ersten Drittel ist ein labiler, erst vor wenigen Jahren heruntergebrochener Versturz zu überwinden.
Der Erste Siphon ist 6 m lang, 2 m tief und sehr eng. Die Sicht reduzierte sich hier rasch auf wenige cm. Der dahinterliegende schöne Höhlensee war rasch durchwatet und es folgte der zweite Siphon. Dieser weist etwas größere Dimensionen auf und ist 5 m lang. Dahinter erreicht man eine Kammer mit einem kleinen Höhlensee. Ein undurchdringlicher Versturz, durch den der Höhlenbach eintritt schließt diesen Teil ab. Die Vermessung dieses Bereiches war rasch abgeschlossen.
Zwischen den beiden Siphonen kann über eine rund 5 m hohe Kletterstelle ein steil aufwärts führender Gang erreicht werden. Schöne Sinterröhrchen dekorieren diesen Höhlenteil. Nach einem kurzen Versturzdurchstieg gelangt man in eine etwa 10 m lange, 8 m breite und 10 m hohe Halle. Ein bisher unerforschter Gang führt von hier geräumig und mit schönen Sinterbildungen geschmückt in Richtung Südwesten. Rund 35 m nach der Halle endet der Gang leider an einem Lehmsiphon. Im Mittelteil befindet sich ein über 8 m hoher Schlot, der noch nicht erklettert werden konnte. Alle anderen Höhlenteile wurden vollkommen erforscht, vermessen und mit Fotos dokumentiert.
Bei dieser Tour gelang es 118 m (96 m zur GL zählend) zu vermessen und die Erforschung der Höhle nahezu abzuschließen.

Fotos: Lukas Plan, R. Seebacher

Dienstag, 11. Dezember 2012

Forschungen im IRAN 2012 - Ghar-e-Bournic

In Zuge der internationalen Zusammenarbeit des Vereins für Höhlenkunde in Obersteier mit dem Verein Espilat (Teheran) konnten die Vermessungsarbeiten in der Ghar-e-Bournic fortgesetzt werden.
Vom 29. bis 30.11.2012 wurde von Mehran Hamidi und Ernest Geyer ein Kurzforscherlager in die Ghar-e-Bournic durchgeführt. Das Biwak wurde wie bereits im vergangenen Jahr vor dem Eingangsbereich der Höhle aufgeschlagen. 
Am ersten Forschungstag wurde mit der Vermessung der großräumigen Fortsetzung bei der sog. Löwenhalle (Talar-e-Schir) begonnen. Dieser anschließende Höhlenteil hat beachtliche Dimensionen - die sog. Monsterhalle (Talar-e-Heijula), benannt nach einer Tropfsteinformation, die einem geöffneten Maul ähnelt, erstreckt sich über eine Länge von bis zu 70 m bei einer Breite von bis zu 30 m und einer Raumhöhe bis zu 12 m. Riesige Versturzblöcke bedecken den Hallenboden. Am südwestlichen Hallenende setzt sich die Höhle weiter fort. Ein Stalagmitenzaun (Parchin-e-Stalagmit) bildet die Grenze zum sog. Wunderland. Das Wunderland (Sarzamin-e-Adjayeb) ist ein unübersichtlicher Höhlenteil mit starker Versinterung – dieser Bereich ist mit zahlreichen Tropfsteinen und -säulen sowie partiell mit einem großflächigen Excentriquesüberzug versehen. Weiterführende Höhlenteile sind unschliefbar bzw. versintert. Die nördliche Fortsetzung der Monsterhalle erstreckt sich über eine Länge von 40 m und endet an einem ca. 20 m tiefen Schacht, der als vielversprechende Fortsetzung angesehenen werden kann.
Am zweiten Forschungstag wurden sämtliche Seitengänge in der Monsterhalle aufgearbeitet sowie die nördliche Fortsetzung der Löwenhalle vermessen. In diesem Gangteil wurde auch der Beginn eines unterlagernden Schachtsystem vermessen – eine mögliche Verbindung in die großräumige Stalagmitenhalle (Talar-e-Stalagmit)? Aufgrund der akuten Einsturzgefahr wurde das weiterführende Schachtsystem nicht befahren. Insgesamt wurden 779 m vermessen - die Ganglänge der Höhle erhöhte sich dabei um 715 m auf 3473 m bei unveränderter Vertikalerstreckung von 237 m (+47 m, -190 m). Die Ghar-e-Bournic, aktuell längste Höhle der Provinz Teheran, reiht sich nun in der Statistik als viertlängste Höhle des IRAN ein. Offene Fortsetzungen, die das Ziel der nächsten Forschungsfahrt sein werden, lassen noch weiteres Neuland erwarten.
Im Zuge dieser Iranreise des Verfassers wurde beim Espilat-Vereinsabend ein gut besuchter Vortrag zur Höhlenforschung in Österreich mit Vorstellung des VHO-Projekts „Sub Glacies“ abgehalten.
Weiters gab es ein ausführliches Gespräch mit Roshan Aminnia vom Speleological Department der Iran Mountaineering Federation über die internationalen Zusammenarbeiten bzgl. Höhlenforscherausbildung - (bereits durchgeführte Ausbildungsmodule: Geologie, Höhlenrettung (FFS), Höhlenbefahrungstechnik (polnische Höhlenforscher) - für 2013 soll in Zusammenarbeit mit dem Verfasser ein Vermessungs- und Planerstellungsworkshop im IRAN organsiert werden.

Text: Ernest Geyer. Fotos: Ernest Geyer & Taraneh Khaleghi